Wirtschaft

Maschinenbau 540 Mitarbeiter betroffen / Betriebsrat gelassen

Früheres Siemens-Werk in Frankenthal verkauft

Frankenthal.Der schottische Howden-Konzern, zu dem auch ein früheres Siemens-Werk in Frankenthal mit rund 540 Mitarbeitern zählt, wird an den amerikanischen Finanzinvestor KPS Capital Partners verkauft. Das teilte der aktuelle Eigentümer Colfax am Donnerstag mit. Der Kaufpreis betrage 1,8 Milliarden US-Dollar (rund 1,6 Milliarden Euro). Das Geschäft soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Über den Verkauf wird seit Längerem spekuliert.

Howden produziert in Frankenthal Dampfturbinen und Verdichter, die in der Industrie zum Einsatz kommen. Die Geräte bauen einen hohen Luftdruck auf, der für den Betrieb unterschiedlichster Maschinen und Anlagen wichtig ist. Die Mitarbeiter wurden am Donnerstag von der Geschäftsführung per E-Mail über den Eigentümerwechsel informiert. „Wir glauben, dass sich dadurch an der Grundstruktur von Howden nichts verändern wird“, sagte Hilmar Feisthammel, Betriebsratschef in Frankenthal. Allerdings hätte er sich nach den turbulenten Zeiten etwas länger Ruhe gewünscht.

Die 1854 gegründete Howden aus Renfrew bei Glasgow war 2012 von dem US-Finanzinvestor Colfax übernommen worden. Mittlerweile wollen sich die Amerikaner aber stärker auf das profitable Medizintechnik-Geschäft konzentrieren und brauchen dafür Geld.

Das Frankenthaler Werk hatte Colfax erst 2017 für knapp 200 Millionen Euro von Siemens gekauft und es in den Howden-Konzern integriert. Die Mitarbeiter des Traditionsbetriebs, der bis 2006 noch unter dem Namen Kühle, Kopp & Kausch (KK&K) geführt wurde und börsennotiert war, hatten damals aufgeatmet. Denn zuvor sah es so aus, als würde Siemens das Werk zerschlagen. Anfang Oktober 2015 wurde bekannt, dass der Elektrokonzern in Frankenthal rund 200 Stellen abbauen und die Turbinenproduktion nach Tschechien verlagern wolle. Die verbliebene Verdichtersparte sollte für einen Verkauf fit gemacht werden. Dagegen kämpften die Arbeitnehmervertreter erfolgreich: Im Februar 2016 lenkte Siemens schließlich ein.

Drei Jahre Jobsicherheit

Die Lage unter der Howden-Regie hatte sich zuletzt stabilisiert, Auslastung und Ertrag waren in Frankenthal wieder gewachsen, es kam sogar zu Neueinstellungen. Für die Beschäftigten wurde beim Übergang von Siemens auf Howden eine dreijährige Beschäftigungssicherung vereinbart. Diese gilt in Feisthammels Verständnis weiter: „Ich gehe davon aus, das sie auf den neuen Eigentümer übergeht“, so der Arbeitnehmervertreter.