Wirtschaft

Studie Wohnen vor allem im Süden Deutschlands teuer / Alleinerziehende und armutsgefährdete Haushalte besonders betroffen

Für Millionen Mieter unbezahlbar

Berlin.Für Haushalte an der Armutsgrenze und viele Alleinerziehende sind durchschnittliche Wohnungen einer Studie zufolge kaum noch bezahlbar. Sie seien auf Wohnraum unterhalb der Marktmieten angewiesen, sagte Stadtforscher Andrej Holm am Donnerstag in Berlin. Das bedeute, dass die öffentliche Hand stärker eingreifen müsse. „Denn: Welcher private Investor sollte Wohnungen zu unterdurchschnittlichen Preisen anbieten?“, fragte Holm.

Der ehemalige Berliner Staatssekretär hat im Auftrag der Linksfraktion die Mietspiegeldaten der vergangenen fünf Jahre ausgewertet und so Mieten in mehr als 300 deutschen Städten untersucht. Im Durchschnitt stiegen die Bestandsmieten demnach um 11,4 Prozent in dem Zeitraum. Ein weiteres Fazit: Wie viel man bezahlen muss, kommt stark darauf an, wo man wohnt.

Wo Wohnen teuer – und wo es günstig ist

Unter den 305 ausgewerteten Städten lebt es sich in München mit einer durchschnittlichen Bestandsmiete (kalt) von 10,45 Euro pro Quadratmeter besonders teuer. Tendenziell sind Städte in Baden-Württemberg und Bayern teuer, Nordrhein-Westfalen und Städte unter anderem in Ostdeutschland sind günstiger.

Miete nach Alter der Wohnung

Holm hat für die Studie acht Baualtersklassen ausgewertet. Am günstigsten wohnen Mieter demnach im Durchschnitt in Gebäuden, die um 1925 errichtet wurden, am teuersten in Neubauten. Die teuerste Baualtersklasse lag im Mietpreis 43 Prozent über der günstigsten.

Mieten und Löhne

Im Großen und Ganzen konnten die Einkommen in den vergangenen Jahren mit den steigenden Mieten mithalten. So wuchsen die Bestandsmieten der Untersuchung zufolge zwischen 2013 und 2018 um 11,4 Prozent. Die Nettolöhne wuchsen im gleichen Zeitraum um 13,3 Prozent. Allerdings, so sagt Holm, konnten niedrige Einkommensgruppen weniger von den Lohnerhöhungen profitieren – ihre Mieten stiegen trotzdem.

Erschwinglich oder nicht

Wie viel darf eine Wohnung kosten, damit sie sich jemand mit einem normalen Einkommen leisten kann? Als vertretbar gilt eine Belastung von 30 Prozent des Nettoeinkommens – ein Wert, den auch viele Vermieter nicht überschritten sehen wollen. Der Studie zufolge wäre im vergangenen Jahr damit für kinderlose Paare eine Warmmiete von 844 Euro akzeptabel gewesen, für Alleinerziehende mit Kind 731 Euro.

Für Normalverdiener ist eine 65 Quadratmeter große Wohnung mit mittlerer Ausstattung zum Durchschnittspreis damit in beiden Kategorien (kinderlose Paare und Alleinerziehende) gut erschwinglich – zumindest im bundesweiten Schnitt. In Großstädten wie München, Stuttgart, Frankfurt und Hamburg dagegen sieht es schon anders aus. Wer armutsgefährdet ist, also nur 60 Prozent des Durchschnittseinkommens bezieht, hat der Studie zufolge dagegen große Probleme: Im bundesweiten Schnitt können sich diese Menschen keine Wohnung zu üblichen Durchschnittspreisen mehr leisten.

Was tun?

Eine Möglichkeit zur Begrenzung wäre eine Mietendeckelung, wie sie die Linksfraktion fordert. „Wir brauchen einen bundesweiten Mietenstopp für die nächsten fünf Jahre, wie ihn Berlin gerade einführen will“, sagte Fraktionsvize Caren Lay. Mieterhöhungen ohne Modernisierung sollten auf maximal zwei Prozent im Jahr begrenzt werden.