Wirtschaft

Gefürchtete Eigendynamik

Archivartikel

Es gibt zerstörerische Konflikte, die im Nachhinein niemand rational erklären kann und die auch niemand so wollte. Der von Donald Trump angezettelte Handelskonflikt hat das Zeug dazu, eine nicht mehr zu kontrollierende Eigendynamik zu entwickeln. Seine Strategie, mit verschärften Maßnahmen bis zur totalen Niederlage des Gegners zu drohen, wird im Fall China zur Gefahr für die Weltwirtschaft. Denn anders als die Europäer, denen Rhetorik egal ist, wenn am Ende das Ergebnis stimmt, wird die chinesische Führung keinen Gesichtsverlust riskieren. Das widerspräche dem selbstgesteckten Ziel vom Aufstieg zur Großmacht zu sehr. Folglich wird es neuerliche Gegenmaßnahmen geben, die denen Trumps in nichts nachstehen.

Der US-Präsident hat für diesen Fall schon die nächste Keule auf den Tisch gelegt, Zölle auf praktisch alle chinesischen Importe. Dass Trump bei einer weiteren Erfolglosigkeit seiner Strategie klein beigibt, ist vor den Wahlen zum amerikanischen Senat kaum vorstellbar. Bis dahin könnte der Kollateralschaden für die gesamte Weltwirtschaft längst eingetreten sein. Die happigen Kursverlusten gestern an den Börsen zeugen von einer pessimistischen Grundhaltung der Finanzmärkte hinsichtlich dieser Entwicklung. Gewinner gibt es in diesem Szenario nicht. Einzig die Erfahrung, dass Trump gerne mal einen plötzlichen Haken in eine ganz andere Richtung schlägt, mildert die Befürchtung etwas.