Wirtschaft

Siemens Vorstandschef Joe Kaeser muss an vielen Stellen anpacken – doch gute Jahreszahlen machen ihn zuversichtlich

Gelassenheit in Zeiten des Umbruchs

München.Die Baustellen sind zahlreich, doch für Siemens-Chef Joe Kaeser gilt bei der Vorlage der Geschäftszahlen gestern vor allem eins: Gelassenheit ausstrahlen. Krise im Kraftwerksgeschäft? Klar, aber die notwendigen Umstrukturierungen seien eingeleitet. Ringen um einen Milliarden-Auftrag im Irak? Abwarten, das eigene Angebot sei überzeugend. Noch fehlende EU-Zustimmung für die Bahnfusion mit Alstom? Wenn die Genehmigung ausbleibe, behalte der Konzern eben eine hochprofitable Bahnsparte.

Siemens befindet sich im Umbruch. Kaeser möchte die Struktur des Mischkonzerns schlanker gestalten, den einzelnen Geschäftsbereichen mehr Eigenverantwortung geben. Drei operative Gesellschaften bleiben im Unternehmen: Die angeschlagene Kraftwerkssparte, das Geschäft mit digitalen Industrie-Prozessen sowie mit Lösungen für eine künftige smarte Infrastruktur. Die Vorbereitungen für das Vision 2020+ genannte Vorhaben liefen nach Plan, sagte Kaeser.

Die neue Struktur bedeutet die Auslagerung von drei Geschäftsbereichen. Zwei davon – die Medizintechnik und das Windkraftgeschäft – sind bereits an der Börse und liefern überzeugende Zahlen. Demnächst soll die Bahntechnik mit dem französischen Konkurrenten Alstom fusioniert werden und dann folgen. Offen ist die Zustimmung der EU-Kartellwächter.

Sorgenkind Kraftwerkssparte

Kaeser gab sich zuversichtlich. Aber: „Für den Fall, dass das nicht gelingt, haben wir das beste Mobilitätsunternehmen der Welt“, sagte er mit Blick auf einen Rekordumsatz der Bahntechniksparte von gut 2,3 Milliarden Euro im vierten Quartal. Auch mit den gesamten Zahlen dürften die Anleger zufrieden sein. Der Umsatz 2018 lag mit gut 83 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahr. Der Gewinn nach Steuern stieg leicht auf 6,12 Milliarden.

Sorgenkind bleibt die Kraftwerkssparte. Wegen Überkapazitäten bei Gasturbinen am Markt und des Trends zu erneuerbaren Energien mussten die Münchner Tausende Stellen streichen. Der Umbau kostet viel Geld und ließ den Gewinn im vierten Quartal um nahezu die Hälfte einbrechen. 681 Millionen Euro verdiente Siemens in den letzten drei Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres unterm Strich – nach 1,25 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.