Wirtschaft

Welt-Vermögensbericht Private Haushalte besitzen weltweit 168 Billionen Euro / Deutsche treffen aus Expertensicht eher vorsichtige Anlageentscheidungen

„Geld arbeitet hierzulande zu wenig für die Sparer“

Archivartikel

Frankfurt.Die Welt – zumindest in den größten 53 Industrie- und Schwellenländern – ist im vergangenen Jahr ein Stück reicher geworden. Brutto erhöhte sich das Geldvermögen vor allem dank der guten Lage auf den Finanzmärkten und steigender Einkommen um 7,7 Prozent auf 168 Billionen Euro. Zugleich ist nach Erkenntnissen der Allianz, wie Chefvolkswirt Michael Heise gestern in Frankfurt bei der Vorstellung des neuen Welt-Vermögensberichts (Global Wealth Report) sagte, weltweit die Vermögensungleichheit durch die Globalisierung geschrumpft. Auf nationaler Ebene dagegen sei sie in vielen Ländern aber gewachsen. Das gilt auch für Deutschland, ohne dass die Allianz die Kluft im Detail benennt.

Am deutlichsten sind die Unterschiede in den USA, wo sich die Spanne zwischen Arm und Reich im vergangenen Jahr noch deutlicher vergrößert hat. Insgesamt hat sich das Geldvermögen – Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Versicherungs- und Pensionsansprüche, aber keine Immobilien – in den USA im vergangenen Jahr brutto um 8,5 Prozent erhöht. Weltweit ballen sich dort 43 Prozent des Vermögens. Pro Kopf allerdings sind die Amerikaner hinter den Schweizern weiter weltweit die Nummer zwei. Hinter diesen beiden Ländern rangieren schon mit deutlichem Abstand unter anderem Schweden, die Niederlande und Dänemark.

Mehr Vermögende

Die Deutschen haben ihr Brutto-Geldvermögen im vergangenen Jahr unter anderem wegen etwas stärkerer Aktienkäufe um 5,1 Prozent und damit so stark wie seit dem Beginn der Finanzkrise nicht mehr steigern können. Netto lag das Plus sogar bei fast sechs Prozent. Trotzdem stehen die Deutschen beim Pro-Kopf-Vermögen mit brutto 73 630 Euro und netto 52 390 Euro nur auf Platz 20 und Platz 18 der 53 weltweit reichsten Länder. „Angesichts der hohen Sparleistung und der gestiegenen Einkommen kann das nicht zufriedenstellend sein“, sagt Heise. „Die Rendite auf das Geldvermögen ist weiter zu gering. Das Geld arbeitet hierzulande viel weniger für die Sparer als in anderen Ländern.“ Real lag die Rendite in Deutschland im vergangenen Jahr bei rund 1,1 Prozent, in Frankreich waren es drei und in Finnland rund 4,5 Prozent.

Insgesamt ist die Vermögensmittelklasse (Netto-Geldvermögen zwischen 7600 und 45 600 Euro) vor allem wegen der Globalisierung in den untersuchten 53 Ländern deutlich gewachsen. Dazu zählen nach Angaben des Berichts mittlerweile 1,1 Milliarden Menschen.

In diesem Jahr wird sich die Entwicklung aber abschwächen. „Die Sorglosigkeit hat ein Ende. Es wird nicht so weitergehen“, so Heise. Grund: steigende Zinsen, Handelskonflikte, die Probleme mit dem Brexit und der Aufschwung von Populisten. „All das verursacht Spannungen und Turbulenzen.“ Gleichwohl werden die Brutto-Geldvermögen nach Ansicht von Heise nicht schrumpfen sondern durchschnittlich um 2,9 Prozent zunehmen.