Wirtschaft

Studie Familienunternehmen, die ausschließlich von Frauen geführt werden, erzielen höhere Renditen / Von einer Quote halten Firmen dennoch wenig

„Gesellschaft zum Umdenken bringen“

Archivartikel

Mannheim.Familienunternehmen, die ausschließlich von weiblichen Managern geleitet werden, wirtschaften am rentabelsten. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Benchmark Familienunternehmen 2019“ vom Institut für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim. Weibliche Geschäftsführungen wurden Nicht-Familienunternehmen sowie gemischten oder rein männlichen Führungsteams gegenübergestellt. „Wir erkennen ganz klar: Frauen sind in die Bereiche der Männer vorgedrungen“, sagt Detlef Keese, Leiter des ifm-Forschungsbereichs Familienunternehmen, bei der Vorstellung der Studie am Dienstag.

Generell lässt sich ein positiver Trend bei der Übernahme von Verantwortung in den obersten Führungsebenen durch Frauen erkennen. In der Region Stuttgart würden 17 Prozent der Familienunternehmen und neun Prozent der Nicht-Familienunternehmen ausschließlich von Frauen geleitet. In der Metropolregion Rhein-Neckar liegt dieser Anteil bei zwölf beziehungsweise vier Prozent.

Insgesamt 2364 Unternehmen wurden in die Studie aufgenommen. In der Metropolregion finden sich 910 Unternehmen (582 Familienunternehmen). Dagegen ist die Region Stuttgart Heimat von 1454 Unternehmen (1025 Familienunternehmen). Laut den Autoren würden Geschäftsübernahmen durch Frauen noch durch traditionelle, patriarchalische Werte gebremst.

Frauen in Führungspositionen berichten, dass ihre professionellen Fähigkeiten häufig unterschätzt werden und sie daher doppelt so hart arbeiten müssen. Dadurch würden sie aber über ein höheres „Humankapital“ verfügen – Ausbildung und Branchenkenntnis. Ein möglicher Grund, warum Frauen profitabler wirtschaften.

„Frauen in Führungspositionen ist ein Zeitgeist-Thema“, sagt Simon Engelhorn, Geschäftsführer des gleichnamigen Mannheimer Modehauses (kl. Bild oben), bei der anschließenden Podiumsdiskussion. „Es geht darum, Führungsteams so divers wie möglich zu gestalten. Dazu gehören Frauen wie Männer, Junge wie Alte. Das dauert, bis diese Erkenntnis sich durchsetzt.“ Ähnlich sieht es Christine Steger, Geschäftsführerin des Kosmetikfirma Mann & Schröder (kl. Bild unten). „Es geht längst nicht mehr um die Quotendiskussion. Sondern darum, wie wir die Gesellschaft zum Umdenken bringen. Während ich arbeite, passt mein Mann zuhause auf unser Kind auf. Wenn ich das erzähle, werde ich manchmal schräg angeschaut.“

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