Wirtschaft

Bahn GDL will EVG aus den Betrieben verdrängen

Gewerkschaft sucht den Machtkampf

Die Lokführergewerkschaft (GDL) beansprucht ein alleiniges Vertretungsrecht für die rund 200 000 Tarifbeschäftigten der Deutschen Bahn. Bisher handelt die viel größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für die meisten Bahner die Arbeitsbedingungen aus. Die GDL beschränkte sich auf die Lokführer und das Zugpersonal. Nun will sie auch die Beschäftigten der Bahninfrastruktur von der EVG abwerben. Dazu gehören etwa Gleisarbeiter oder das Personal in den Instandhaltungswerken.

„Wir werden den Tarifvertrag der EVG verdrängen“, lautet die Kampfansage von GDL-Chef Claus Weselsky. Beide Gewerkschaften sind sich seit Jahren spinnefeind. Weselsky wirft der Konkurrenz vor, eher die Interessen des Vorstands der Bahn, als die ihrer Mitglieder zu vertreten.

Ab Frühjahr drohen Streiks

Ein Hintergrund des Streits ist eine am Jahresende auslaufende Grundsatzvereinbarung mit den Gewerkschaften, die deren Eigenständigkeit zulässt. Danach gilt wieder das Tarifeinheitsgesetz. Dies sieht vor, dass in einem Betrieb der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gilt. Da wäre die EVG mit Ausnahme der Lokführer und vielleicht noch der Zugbegleiter klar im Vorteil. Diese Vormachtstellung will Weselsky nun brechen. Die EVG will das nicht kommentieren.

Der Konflikt eskaliert auch, weil die Bahn von der GDL erfolglos einen Beitrag zur Sanierung des Unternehmens erwartet hatte und dafür ein Schlichtungsverfahren anstieß. Die Lokführer verweigern sich einem Abschluss und wollen nach Ablauf des geltenden Tarifvertrags Ende Februar 2021 hart für bessere Bedingungen kämpfen. Streiks schließt Weselsky nicht aus.

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