Wirtschaft

Vorwurf Ex-Automanager tritt erstmals öffentlich auf und rechtfertigt seine Flucht mit korruptem Verfahren gegen sich

Ghosn verurteilt Japans Justiz

Archivartikel

Beirut/Tokio.Ex-Automanager Carlos Ghosn hat seine spektakuläre Flucht aus Japan in den Libanon mit dem aus seiner Sicht politisch gesteuerten und korrupten Verfahren gegen sich gerechtfertigt. Ihm sei keine andere Wahl geblieben, sagte Ghosn am Mittwoch vor Journalisten in der libanesischen Hauptstadt Beirut. „Das war die schwerste Entscheidung meines Lebens.“ In keinem anderen demokratischen Land der Welt käme man wegen derartiger Vorwürfe ins Gefängnis.

Stundenlange Befragungen

Ghosn beklagte auch die aus seiner Sicht unmenschlichen Haftbedingungen in Japan. Er sprach von langer Einzelhaft, während der er seine Frau kaum habe sehen dürfen. Nur 30 Minuten am Tag durfte er demnach an die frische Luft. Duschen sei nur zweimal in der Woche erlaubt gewesen. Dazu stundenlange Befragungen ohne Anwalt.

Bei seinem ersten Auftritt seit der Flucht aus Japan Ende Dezember wies er alle Beschuldigungen erneut zurück. „Die Vorwürfe gegen mich haben keine Grundlage“, wetterte er und stellte seine Flucht als alternativlos dar: Er habe keine Anzeichen gesehen, dass sich sein Leben in den nächsten Jahren wieder normalisieren werde. Er sei als „Geisel“ eines Landes gehalten worden, dem er über Jahre gedient habe. Er sprach von einer Verschwörung, mit der verhindert werden sollte, den Autokonzern Nissan enger mit Renault zu verzahnen. Ghosn wollte jedoch keine weiteren Angaben dazu machen, wie er von Japan über Istanbul nach Beirut gekommen ist. Aus Sorge um die Menschen, die ihm geholfen hätte, sagte er in Beirut. Der Ex-Autoboss soll in einer Kiste versteckt aus Japan in den Libanon geflohen sein. Zu der Flucht mit einem Privatjet hätten ihm zwei hierzu eingereiste Amerikaner geholfen, berichteten japanische Medien unter Berufung auf Ermittler. Japan nannte die Ausreise illegal.

Der frühere Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi war am 19. November 2018 in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen worden. Über Jahre hinweg soll nur die Hälfte seines Einkommens offiziell ausgewiesen worden sein. Zudem soll Ghosn private Investitionsverluste auf Nissan abgewälzt haben.

Er wurde angeklagt und verschwand monatelang in Untersuchungshaft. Im April 2019 wurde er unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft in Japan entlassen. Unter anderem wurde ihm verboten, das Land zu verlassen. Ghosn hat die französische, die brasilianische und die libanesische Staatsangehörigkeit. 

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