Wirtschaft

Gravierende Kehrseite

Archivartikel

Das Freihandelsabkommen zwischen Europa und wichtigen Ländern Südamerikas ist ein zweifelhafter Erfolg. Sicher wird die Industrie in Europa davon profitieren. Die Produkte, auch aus Deutschland, werden preisgünstiger und lassen sich damit leichter verkaufen. Auch die Handelspartner auf der anderen Seite des Atlantiks wollen naturgemäß ihre Stärken vermehrt ausspielen. Diese finden sich vor allem bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Für die Verbraucher in Europa ist das keine schlechte Aussicht, weil die Preise hier ebenfalls purzeln könnten.

Das Abkommen hat indes auch eine gravierende Kehrseite. Für die heimische Landwirtschaft und den weltweiten Umweltschutz ist es eine schwarze Stunde. So hat beispielsweise das Fleisch aus Südamerika ein gutes Image. Bilder von freilaufenden Rindern in den Weiten der Pampa haben sich eingeprägt. Tatsächlich werden die Tiere in der Regeln mit Hormonen aufgepumpt. Beim Soja ist der Landverschleiß in Brasilien ein riesiges Problem, opfert die Regierung dort doch den für das Klima so wichtigen Regenwald. Soziale Auflagen oder Umweltstandards sind zudem weitgehend unbekannt. Und wer hierzulande gegen den Unkrautvernichter Glyphosat zu Felde zieht, muss wissen, dass sich die größten Abnehmer des Gifts unter den neuen Freihandelspartnern finden. Und schließlich geraten die europäischen Landwirte unter Druck, weil sie kostspielige Standards einhalten müssen und weniger wettbewerbsfähig sein werden. Zu einer Feierstunde besteht mithin kein Anlass.