Wirtschaft

Finanzen Nachhaltige Investments gewinnen an Bedeutung / Ökonom fordert starkes Engagement zur Bekämpfung des Klimawandels

Grüne Geldanlagen gedeihen

Archivartikel

Frankfurt.Die Zahl der Großanleger, die bei ihren Investments in Aktien und Anleihen von Unternehmen auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz achten, ist so hoch wie nie zuvor. Der Anteil liegt bei 72 Prozent, besagt eine neue Studie der Fondsgesellschaft Union Investment, die am Dienstag bei der Nachhaltigkeitskonferenz des Unternehmens in Frankfurt vorgelegt wurde. Nach Ansicht von Nicolas Stern, Professor an der London School of Economics, ist das aber noch viel zu wenig. Die Finanzindustrie sei ein ganz entscheidender Faktor beim Kampf gegen den Klimawandel, sagte der frühere Chef-Volkswirt der Weltbank. „Wir brauchen ein sehr starkes Engagement des Finanzsektors.“

Wachstum durch Klimaschutz

Ähnlich argumentierte auf der Konferenz Professor Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Auch die Finanzindustrie müsse Druck auf die Politik ausüben. Zudem müsse der CO2-Ausstoß kosten. Die beiden anerkannten Ökonomen und Klima-Experten betonten vor rund 200 Fondsmanagern und Finanzexperten die Dringlichkeit des Handelns.

„Wir müssen uns sehr schnell bewegen“, sagt Stern. Die Folgen des Scheiterns bei der Begrenzung der Erderwärmung wären fatal, dann gebe es etwa noch mehr Phasen extremer Hitze und länger anhaltende Dürren. Sollte der Klimawandel nicht gestoppt werden, wäre das „selbstzerstörerisch“. Umgekehrt können Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht nur das Klima retten, sondern zu einer Wachstumsgeschichte werden, etwa durch notwendige Investitionen in die Infrastruktur, ist Stern überzeugt.

Die Rahmenbedingungen dafür seien durch neue Technologien, niedrige Zinsen und hohe Sparquoten gut. Auch deutlich gefallene Preise für Solarmodule und für Batterien – jeweils minus 80 Prozent seit 2006 – könnten helfen, alle Sektoren zu vertretbaren Kosten von fossilen Brennstoffen und CO2-Emissionen zu befreien. Europa muss angesichts der politischen Verhältnisse in den USA und eines Präsidenten, der den Klimawandel eher leugnet, in der Zusammenarbeit beim Ringen gegen die Erderwärmung etwa mit China vorangehen, sagt Stern.

„Erleben Renaissance der Kohle“

Dabei müssen die Akteure das Thema Kohle in den Blick nehmen, ergänzt Edenhofer. ,,Wir erleben gerade jetzt eine Renaissance der Kohle“, klagt er. Und verweist auch darauf, dass Deutschland da nicht zum Vorbild taugt. Seit 2011 seien elf neue Kohlekraftwerke in Betrieb gegangen. Edenhofer zufolge sollte die Emission von jeder Tonne CO2 kosten. „Das ist von überragender Bedeutung“. 60 Euro schlägt er vor verbunden mit einem System, das sozial Schwächere geringer belastet. Das Beispiel Schweden zeige im Übrigen, dass eine CO2-Steuer das Wachstum nicht behindere.

Auch wenn nachhaltige Kapitalanlagen bei Großinvestoren hoch im Kurs stehen und beim Kampf gegen den Klimawandel nach Ansicht von Stern und Edenhofer eine wichtige Rolle spielen müssen, ist ihr Anteil solcher Anlagen in Deutschland mit zuletzt rund fünf Prozent oder absolut 200 Milliarden Euro immer noch überschaubar. Da haben der Studie zufolge vor allem Großunternehmen und Kreditinstitute noch Nachholbedarf. Bei der Geldanlage schauen nur 58 und 51 Prozent auf Nachhaltigkeitskriterien. Immerhin zwei Drittel der Großinvestoren glauben, dass nachhaltige Geldanlagen das Weltklima entscheidend beeinflussen können.

Eine Mehrheit ist zudem überzeugt, dass das Ziel, Deutschland bis 2050 weitgehend frei von Treibhaus-Emissionen zu gestalten, keine Arbeitsplätze gefährden wird. Diejenigen Großanleger, die sich in Sachen Nachhaltigkeit noch zurückhalten, nennen als Grund dafür fehlende Vorgaben und Regulierung. Nur ein Drittel kennt den 2018 verabschiedeten Aktionsplan der EU-Kommission zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. „Hier ist offenbar noch Aufklärungsarbeit zu leisten“, sagt Union Investment-Vorstandsmitglied Alexander Schindler.

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