Wirtschaft

Merck Gewerkschaft nach Verzicht auf Kündigungen erleichtert

„Haben das Beste herausgeholt“

Archivartikel

Darmstadt.Vor drei Wochen schien eine Einigung noch in weiter Ferne. „Damals standen wir fast mit dem Rücken zur Wand“, sagte Jürgen Glaser, Leiter des Bezirks Darmstadt der Gewerkschaft IG BCE, gestern dieser Zeitung. Jetzt haben sich der Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern Merck und der Betriebsrat doch noch geeinigt: Bis 31. Januar 2020 wird es keine betriebsbedingten Kündigungen bei der Tochtergesellschaft Merck Accounting Solutions & Services Europe geben. Sie ist vor allem für die Buchhaltung von Merck zuständig.

Mitarbeiter, die das Tochterunternehmen verlassen wollen, bekommen dem Sozialplan zufolge auf Basis ihrer Betriebszugehörigkeit entsprechende Abfindungsangebote. Zudem verständigten sich die Verhandlungspartner auf Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Das teilte Merck gestern mit.

Merck hatte im vergangenen Jahr angekündigt, 135 Stellen in der Tochterfirma nach Breslau (Polen) und Manila (Philippinen) zu verlagern. Betriebsrat und IG BCE hatten die ersten betriebsbedingten Kündigungen in der 350-jährigen Geschichte von Merck befürchtet.

Betriebsrat lobt Ergebnis

Oberstes Ziel ist es der Vereinbarung zufolge, die Mitarbeiter der Tochterfirma innerhalb des Konzerns weiter zu beschäftigen. „Wir begrüßen es sehr, dass wir nach intensiven Verhandlungen gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern sozialverträgliche und tragfähige Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter finden konnten“, sagte Merck-Personalleiter Philip Heßen.

Auch Betriebsrat und Gewerkschaft zeigten sich mit der Übereinkunft zufrieden. „Wir halten das Ergebnis für vertretbar, wir haben das Beste herausgeholt“, sagte Glaser. Obwohl die betriebsbedingten Kündigungen nur bis 31. Januar 2020 vom Tisch seien, sei die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, nun äußerst gering. „Mit dem heutigen Verhandlungsergebnis haben wir eine tragfähige Lösung für die betroffenen Mitarbeiter erzielt. Unser oberstes Ziel ist es, die Mitarbeiter innerhalb der Merck-Gruppe weiter zu beschäftigen“, sagte Betriebsratschef Michael Fletterich.