Wirtschaft

Pandemie Wieder arbeiten die Menschen vermehrt von Zuhause aus / Anbieter sprechen von „stabilen Netzen“

Hält das Netz den Lockdown aus?

Archivartikel

Mannheim.Homeoffice, Quarantäne, Kontaktbeschränkungen – das Coronavirus zwingt viele Menschen dazu, zu Hause zu bleiben. Klar ist, was dann vermehrt in den eigenen vier Wänden genutzt wird: das Internet. Halten die Netze eine solche Belastung aus? Fragen und Antworten:

Wie steht es momentan um die Netzbelastung?

„Wir sind seit dem Start der Pandemie im ständigen Austausch mit der Bundesnetzagentur und reporten den Verkehr im Netz“, teilt ein Sprecher der Telekom auf Anfrage mit. „Im Netz der Telekom kommt es aufgrund von Homeoffice und Home Schooling zu keinerlei Einschränkungen“, sagt er. „Fehlanzeige“, schreibt auch ein Vodafone-Sprecher. Auch hier verzeichne man keine erhöhte Nutzung wegen des November-Lockdowns. „Und die Netze sind sehr stabil.“ Im Vodafone-Festnetz sei der Datenverkehr seit Beginn des Lockdowns gerade einmal um überschaubare sieben Prozent gegenüber den Vorwochen gestiegen. Zum Vergleich: In der Märzwoche, als deutlich härtere Coronaregeln griffen, viele Bürobeschäftigte ins Homeoffice wechselten und sich mit ihren Kollegen in Videokonferenzen austauschten, lag das Plus noch bei 40 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Auch die Bundesnetzagentur sagt: „Die Netze sind stabil.“

Wie sieht es in naher Zukunft aus?

„Die verstärkte Nutzung datenintensiver Dienste kann zu steigendem Datenverkehr in den Netzen führen“, hatte die Bundesnetzagentur bereits im März auf Anfrage dieser Redaktion geschrieben. Die Bundesnetzagentur stehe im Kontakt zu den Anbietern. „Gravierende Beeinträchtigungen werden aktuell nicht erwartet. Die Anbieter sind auch auf eine Zunahme des Datenverkehrs gut vorbereitet“, schreibt ein Sprecher auf die aktuelle Anfrage.

Besteht die Möglichkeit, dass das Internet zusammenbricht?

Nicht wirklich. Das Netz könnte aber tatsächlich langsamer werden. Im März hatte ein Vodafone-Sprecher von einer „massiven Gaming- und Streaming-Nutzung“ vor allem in Nachbarländern gesprochen. Diese könne „zusätzliche Last auf Netze bringen“. Dieser Anstieg von Online-Spielen in den Nachbarländern zeigt laut Vodafone: Der Datenverkehr hat sich in diesem Bereich verzehnfacht. „Zudem sehen wir eine Vervierfachung der Streaming-Nutzung durch massiven Einsatz von Netflix und Co.“, hieß es im März. Beides habe im Ausland insbesondere nachmittags und abends zu erhöhter Netzlast geführt und Einschränkungen nach sich gezogen.

Gibt es eine Empfehlung, um die Netze nicht zu überlasten?

Die europäischen Provider appellieren an die Nutzer, sich zurückzunehmen. „Laden Sie nur die Dokumente oder Dateien herunter, die Sie wirklich brauchen, und wenn Sie warten können, tun Sie dies nachts oder in den ,Nebenverkehrszeiten’ (14 bis 16 Uhr und 20 bis 8 Uhr).“ Die Anwender sollten auch darauf verzichten, E-Mails mit großen Anhängen zu verschicken. Kollaborationswerkzeuge wie Microsoft Teams und Slack sollten ohne ständige Videoverbindung genutzt werden.

Was können Kunden tun, wenn sie Probleme haben?

Einen Techniker rufen – also genauso handeln, wie sie es normalerweise täten. Vodafone verweist darauf, dass seine Service-Techniker weiterhin unterwegs sind, um in den Häusern der Kunden die bestellten Anschaltungen, also etwa bei Umzügen oder Neuverträgen, und Entstörungen vorzunehmen. „Diese geschieht unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln.“ Auch die Telekom steht weiter zur Verfügung: „Wer Probleme mit seinem Anschluss hat, muss sich an den Service wenden, dann muss man sich den Anschluss einmal anschauen“, schreibt ein Sprecher. „Telekom-Kunden erreichen den Service kostenfrei.“

Es gibt bereits Kunden, die von einer langsameren Verbindung sprechen – täuschen sie sich?

Die Telekom sagt: „Möglicherweise fallen jemandem, der jetzt ins Homeoffice wechselt, Beschränkungen an seinem Anschluss auf, die ihm vorher nicht gestört haben.“ Wer zu Hause nie große Datenmengen bewegt habe, stelle jetzt vielleicht fest, dass sein Anschluss ein Update brauchen könne, damit er mit den neuen Herausforderungen zurechtkomme. „Das ist aber ein Problem, das sich per Tarifwechsel leicht beheben lässt. Kapazitäten gibt es genug im Netz.“

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