Wirtschaft

Handwerkskammer Neuer Präsident wirbt mit sicheren Jobs in rund 12 500 Betrieben der Rhein-Neckar Region

Handwerkskammer-Präsident Hofmann: „Können uns Arbeit aussuchen“

Archivartikel

Mannheim.Während sich das Konjunkturklima der deutschen Gesamtwirtschaft bereits deutlich abgekühlt hat, ist die aktuelle Lage im Handwerk nach wie vor gut. „Die Kapazitäten unserer rund 12 500 Betriebe sind fast überall zu über 100 Prozent ausgelastet,“ weiß Klaus Hofmann, neuer Präsident der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald. Das gelte auch für seine eigene Bau- und Möbelschreinerei in Mosbach-Diedesheim, die mit Aufträgen bis in den Februar hinein eingedeckt sei. „Neukunden nehmen wir derzeit gar nicht mehr an“, so der Schreinermeister. „Wir können uns die Arbeit aussuchen“.

Hofmann wurde am Mittwoch bei der Vollversammlung der Handwerkskammer zum Präsidenten gewählt und tritt damit die Nachfolge von Alois Jöst an, dessen Stellvertreter er bisher war. Erstmals steht damit ein Unternehmer aus dem Odenwald an der Spitze, bislang kamen die Präsidenten stets aus Mannheim oder Heidelberg. „Ich sehe mich aber als Präsident der Betriebe auf dem Land und in der Stadt gleichermaßen“, betonte er.

Die Herausforderungen seien ohnehin ähnlich. Durch die Bank klagten alle Betriebe über Probleme, Fachkräfte zu finden und zu binden. Auch Hofmanns Schreinerei in Mosbach bildet da keine Ausnahme. „Zwei oder drei Fachkräfte würde ich sofort einstellen, wenn ich geeignete Kandidaten fände.“

Bilderbücher für Kindergärten

Hier Überzeugungsarbeit zu leisten, halte er für seine vordringlichste Aufgabe, so der neue Präsident. „Wir müssen uns besser nach außen präsentieren und zeigen, wie leistungsstark das Handwerk ist“. Das beginne schon im Kindergarten, wo man angefangen habe, entsprechende Bilderbücher zu verteilen, erklärte Jens Brandt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Denn oft genug kämen handwerkliche Betriebe und Berufe im Umfeld der Kleinen gar nicht mehr vor, sagte er mit Blick auf die wachsende Anzahl rein akademisch geprägter Haushalte. Auf Jobbörsen und an Schulen sei man zudem regelmäßig mit Ausbildungsbotschaftern und -beratern vor Ort. „Wir müssen die jungen Leute überzeugen, dass es nicht immer das Gymnasium sein muss“, so Hofmann. Mittlerweile sei auch die Bezahlung im Handwerk nicht mehr schlechter als in der Industrie und die Aussichten auf eine Anstellung glänzend. „Angesichts des Fachkräftemangels habe ich schon von einzelnen Betrieben gehört, dass sie Meistern das doppelte Tarifgehalt anbieten,“ sagte Brandt.

Doch warum kann sich das Handwerk überhaupt von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung derart abkoppeln? „Wir sind regional aufgestellt und nicht vom Export abhängig,“ so Hofmann. „Unsere Klientel sind Privatkunden und kein Weltmarkt.“ Auch die aktuelle Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) komme den Betrieben entgegen, weil sie Sanierungs- oder Renovierungsvorhaben deutlich günstiger mache.

Attraktiver soll eine Ausbildung aber auch durch zusätzliche Leistungen neben dem Gehalt werden, so Hofmann. Derzeit gebe es gemeinsam mit der IHK Rhein-Neckar Überlegungen, eine Bonuskarte für Auszubildende einzuführen. Partner könnten Kinos oder Restaurants sein, die Lehrlingen Vergünstigungen anböten. Auch ein vom Land gefördertes Azubi-Ticket für die kostenlose Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln solle nach Möglichkeit dazugehören, findet Hofmann. Einzelne Bundesländer wie Sachsen, Brandenburg oder NRW haben ein solches Ticket bereits eingeführt. So etwas könne bei der Nachwuchssuche sehr nützlich sein, ist der neue Präsident sicher. Lange Anfahrtswege seien vor allem im ländlichen Raum ein Grund dafür, warum die Arbeitgeber nicht alle Ausbildungsplätze besetzen könnten.

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