Wirtschaft

Hausbesuche von Friseuren sind strafbar

Rhein-Neckar.„Da zurzeit alle Friseursalons geschlossen haben, suche ich dringend einen Friseur, der auch häuslich meine Haare frisiert“, schreibt Mitte der Woche eine Nutzerin bei Ebay-Kleinanzeigen. Ein anderer postet: „Suche einen Friseur, der Hausbesuche macht – würde auch einen guten Preis zahlen.“

Salvatore Jaci, Obermeister der Friseur-Innung Mannheim, ist entsetzt über solche Gesuche: „Was da gerade passiert, ist teilweise sehr grenzwertig.“ Nicht umsonst hätten Friseursalons geschlossen: „Es geht nicht nur darum, uns selbst zu schützen, sondern genauso um den Schutz der Kunden vor einer Ansteckung“, sagt Jaci. Auch in seinem Salon haben vereinzelt Kunden nach Hausbesuchen gefragt. Eine Kollegin machte ihn auf die Gesuche im Internet aufmerksam.

Friseure unter Druck gesetzt

„Ich habe meine Mitarbeiter schriftlich angewiesen, solche Anfragen abzuweisen“, berichtet Jörg Fahn, Obermeister der Friseur-Innung Heidelberg-Kraichgau. „Die Nachrichten kommen teilweise von Menschen, denen der Ernst der Situation einfach nicht bewusste ist.“ Im Gespräch mit anderen Friseuren hat er jedoch von Situationen erfahren, die über Unwissenheit hinausgehen: „Einige Kollegen hatten es sogar mit Drohungen zu tun, etwa: ,Wenn sie das nicht machen wollen, suche ich mir eben einen neuen Friseur'.“ Er selbst habe Anfragen bekommen, in denen Kunden argumentierten, er könne ja „privat vorbeikommen“.

Der Großteil der Nachrichten sei tatsächlich sehr freundlich formuliert, doch auch diese müssen Friseure ablehnen. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass uns das psychisch belastet. Dabei stehen wir sowohl privat als auch geschäftlich ohnehin schon unter großem Druck“, so Jörg Fahn. „Ungewissheit und Existenzangst sind insbesondere in der Friseurbranche greifbar“, schreibt beispielsweise ein Friseur in einem Facebook-Post und kritisiert die Fragen einiger Kunden nach Privatterminen. „Schürt nicht die Ängste von Menschen und setzt sie nicht mit ihrer Zukunftsangst unter Druck“, heißt es in dem Post weiter.

Großteil der Kunden sehr solidarisch

„Der Großteil der Kunden ist sehr verständnisvoll“, stellt Jörg Fahn indes klar. Sie seien vielfach besorgt und würden zum Teil von sich aus Unterstützung anbieten, indem sie beispielsweise Gutscheine kaufen und den Friseuren so in der Übergangsphase finanziell unter die Arme greifen. „Sie möchten, dass ihr Friseur auch nach der Krise noch da ist“, erklärt Fahn. Auch Salvatore Jaci berichtet von großer Solidarität: Angesichts der Krise musste er reihenweise Termine absagen. „Der Großteil der Kunden hatte Verständnis.“

Sowohl Jaci als auch Fahn appellieren an ihre Kollegen, den Anfragen nach Hausbesuchen oder Privatterminen nicht nachzugeben. „Es ist strafbar“, so Jaci. Dem stimmt Jürgen Gergely, Jurist der Handwerkskammer Mannheim, zu. Bereits Anfang der Woche gingen bei der Handwerkskammer vereinzelt Fragen von Friseuren ein, die sich nach der rechtlichen Lage bei Hausbesuchen erkundigten. Zu diesem Zeitpunkt konnte Gergely ihnen noch keine eindeutige Antwort geben.

Mittlerweile ist die Lage klar: Am späten Dienstagabend hat das Land Baden-Württemberg die Auslegungshinweise zur Corona-Verordnung angepasst und mobile Dienstleister – wie etwa Friseure – explizit mit aufgenommen. „Damit kann es rechtliche Konsequenzen haben, wenn Friseure ihren Kunden trotz des Verbots die Haare schneiden“, stellt Gergely klar. Denkbar seien nach dem Infektionsschutzgesetz, auf dem die Verordnung beruht, Bußgelder von bis zu 25 000 Euro.