Wirtschaft

Verbraucher So funktioniert ab 2021 der neue Emissionshandel für private Haushalte / Teilweiser Ausgleich für Mehrkosten

Heizen und Benzin bald teurer

Archivartikel

Berlin.Etwa 27 Milliarden Euro werden die Bürgerinnen und Bürger in den kommenden drei Jahren zusätzlich für Autofahren und warme Wohnungen bezahlen. Denn für jeden Liter Benzin und jeden Kubikmeter Heizgas müssen die Händler ab 2021 Abgas-Zertifikate kaufen, deren Preis steigt, und den sie den Verbrauchern in Rechnung stellen. Das allerdings ist nicht die große Öko-Abzockerei, die Kritiker befürchten: Einen erheblichen Teil der Mehrkosten sollen die Haushalte auf anderem Weg zurückerhalten.

Das neue System ist eine Folge der Klimabeschlüsse der Bundesregierung vom vergangenen Jahr. Unter anderem Verkehr und Gebäude werden in den Emissionshandel einbezogen. Das bedeutet, dass der Kohlendioxid-Ausstoß von Benzin und Diesel, Heizöl und Erdgas nicht mehr kostenlos ist, sondern einen Preis erhält.

Ziel: Klimaneutrales Deutschland

Weil dieser Preis mit den Jahren zunimmt, sollen die Nachfrage und damit die Emissionen zurückgehen. Das ist der Plan – Deutschland wird zunehmend klimaneutral. Ein ähnliches Verfahren gibt es heute schon auf europäischer Ebene für Kraftwerke und Großindustrie.

Christoph Kühleis, kommissarischer Abteilungsleiter beim Umweltbundesamt, ist für den Aufbau der Verwaltung und die Umsetzung des neuen Emissionshandels zuständig. Der Ökonom sitzt im ehemaligen Bürogebäude von Air Berlin in der Nähe des Flughafens Tegel. ,,2021 wird jede Tonne Kohlendioxid (CO2) aus Automotoren und Gebäudeheizungen 25 Euro kosten“, erklärt Kühleis, „umgerechnet macht das beispielsweise sieben Cent pro Liter Diesel“. Um diese sieben Cent geht anfangs der Preis an der Tankstelle nach oben. Erdgas werde um 0,5 Cent pro Kilowattstunde teurer, so Kühleis. So kommen 2021 bis 2023 rund 27 Milliarden Euro Mehrkosten zusammen.

Und wie muss man sich die Bepreisung im Einzelnen vorstellen? ,,Hier bei der Deutschen Emissionshandelsstelle werden wir wohl mehr als 4000 Unternehmen erfassen, die Treib- und Heizstoffe verkaufen“, sagt Kühleis. Das können Tanklager großer Mineralölkonzerne sein, Gashändler oder auch Baumärkte, die Briketts an Haushalte mit Kohleöfen abgeben.

Diese Unternehmen müssen melden, welche Energiemengen sie auf den Markt bringen. Und sie sind verpflichtet, Abgaszertifikate für jede Tonne CO2-Ausstoß nachzuweisen, die sie verursachen. Die Menge dieser Verschmutzungsscheine wird nach staatlichen Vorgaben mit der Zeit reduziert. Dadurch steigen die Preise, die die Händler an die Endkunden weiterreichen.

Erwerben können die Firmen die benötigten Zertifikate über eine Art Börse. Den ganzen Prozess erfasst und kontrolliert die Emissionshandelsstelle in einem neuen Register. Die notwendigen Verordnungen werden bald beschlossen, im Sommer 2021 kann dann der Verkauf der Emissionszertifikate starten. ,,Dass das so schnell geht, konnte sich vergangenes Jahr kaum jemand vorstellen“, sagt Kühleis.

EEG-Umlage soll sinken

Nachdem Union und SPD ihren grundsätzlichen Beschluss Ende Oktober 2019 gefasst hatten, machte der Bundestag schon drei Wochen später seinen Haken an die Sache – erstaunlich zügig. Das lag wohl vor allem daran, dass die Fridays for Future-Bewegung der jungen Klima-Aktivisten starken Druck aufgebaut hatte. Die Regierung wollte das Thema vom Tisch haben. 27 Milliarden Euro hört sich nach einer satten Rechnung an. Größtenteils handelt es sich jedoch nur um eine Verlagerung. Denn parallel zu der Verteuerung von Benzin und Heizenergie soll die sogenannte EEG-Umlage sinken, die alle Privathaushalte und die meisten Firmen im Rahmen ihrer Stromrechnung bezahlen.

Die Umlage zur Finanzierung von Elektrizität aus erneuerbaren Energien beträgt augenblicklich 6,8 Cent pro Kilowattstunde. Nähme die Regierung sie beispielsweise um zwei Cent zurück, gliche das die Kosten des neuen Emissionshandels mehr oder weniger aus.

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