Wirtschaft

Energie Warmer Jahresbeginn und bislang milder Herbst könnten 2018 für Verbraucher günstiger machen – jedoch nicht für alle

Heizöl verliert Preisvorteil gegenüber Gas

Berlin.Wer in einem Haus mit Ölheizung lebt, muss sich auf deutlich höhere Heizkosten einstellen. Für 2018 falle die Rechnung im Schnitt voraussichtlich knapp acht Prozent höher aus als im Vorjahr, teilte die Beratungsgesellschaft co2online der Deutschen Presse-Agentur mit. Anders sei es bei Gas und Fernwärme: Wer damit heizt, zahle voraussichtlich drei Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Gründe seien etwa der vergleichsweise warme Frühling in diesem Jahr und der bislang recht milde Herbst.

Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung in einem mittelgroßen Mehrfamilienhaus erwarten die Autoren eine Heizkostenrechnung von durchschnittlich 765 Euro bei Erdgas (minus 25 Euro), bei Heizöl von 810 Euro (plus 60 Euro) und bei Fernwärme von 870 Euro (minus 25 Euro). „Damit würde das Heizen mit Heizöl seinen Kostenvorteil verlieren und wieder teurer sein als das Heizen mit Erdgas“, erklärte die Gesellschaft zur jährlichen Vorlage des sogenannten Heizspiegels. Darin können Verbraucher Kosten vergleichen und sich Spartipps holen.

Der Ölpreis war weltweit zuletzt stark gestiegen. Die Untersuchung geht bei Heizöl von einem Preisanstieg von 13 Prozent für das Gesamtjahr aus, bei Erdgas und Fernwärme werden dagegen nur 1,5 Prozent erwartet. In den vergangenen drei Jahren war Heizen mit Öl im Vergleich der drei Energieträger noch am günstigsten gewesen.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Rohöl-Sorte Brent ist auf rund 85 Dollar gestiegen. Zum Beginn des Jahres waren es noch rund 70 Dollar. Gleichzeitig schwächelt der Euro, was Rohöl für europäische Verbraucher nochmals teurer macht. Ob der Preistrend beim Rohöl allerdings anhält, hängt von vielen globalen Unwägbarkeiten ab und ist bei den professionellen Marktbeobachtern sehr umstritten: Die Prognosen für die nächsten Wochen reichen von 60 bis 100 Dollar für ein Barrel.

Ölheizungen stoßen im Vergleich das meiste klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) aus: 319 Gramm pro Kilowattstunde. Bei Fernwärme sind es 261 Gramm, bei Erdgas 250 Gramm. Wenn die weniger effiziente Hälfte aller Wohngebäude saniert würde, ließe sich der CO2-Ausstoß des Heizens nahezu halbieren, so die Heizspiegel-Autoren. Auftraggeber ist das Umweltministerium, Partner der Deutsche Mieterbund.

Brennstoff nur ein Faktor

Knapp jeder zweite Haushalt wird mit Gas beheizt, gut jeder vierte mit Öl und jeder siebte mit Fernwärme. Doch nicht nur der Brennstoff spielt eine Rolle. „Der Sanierungsstand ist der meistunterschätzte Faktor für Heizkosten“, sagte co2online-Geschäftsführerin Tanja Loitz. „In einem energetisch schlechteren Haus sind die Heizkosten im Schnitt doppelt so hoch wie in einem energetisch besseren Haus.“ dpa

Info: Heizspiegel unter http://dpaq.de/jVZpw

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