Wirtschaft

Branchenverband Ehemalige Energie-Managerin gilt als Favorit für VDA-Präsidentenamt

Hildegard Müller soll Autolobby anführen

Berlin.Eine neue Frau an der Spitze der mächtigen deutschen Autolobby soll die Branche in den kommenden Jahren zusammenhalten und das schlechte Image wieder aufpolieren. Was Bernhard Mattes nicht so richtig gelang, soll nun aller Voraussicht nach Hildegard Müller als Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) schaffen. Nach monatelanger Suche hätten sich die führenden Vertreter der Konzerne auf die 52 Jahre alte frühere CDU-Politikerin geeinigt, hieß es am Mittwoch übereinstimmend aus Industrie- und Berliner Koalitionskreisen.

Offiziell bestätigt wurde die Personalie nicht, Müller selbst äußerte sich ebenfalls nicht. Der finale Beschluss des VDA-Präsidiums stand auch noch aus, dem Vernehmen nach geht es aber nur noch um Details.

Deutsche Schlüsselindustrie

Der VDA ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland, die Autobranche mit mehr als 800 000 direkt Beschäftigten eine Schlüsselindustrie. Die steht allerdings seit Jahren wegen des Dieselskandals schwer unter Druck. Die Klimadebatte und der angepeilte Umbau des Autoverkehrs in Richtung E-Mobilität bieten ebenfalls viel Stoff für Konflikte.

Müllers Name war in den vergangenen Wochen immer mal wieder gefallen. In der Autobranche ist sie neu, es gibt aber durchaus einige Anknüpfungspunkte in ihrer Vita. Bis Oktober war sie Netzchefin des Energiekonzerns Innogy, eines der größten Betreiber von Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland. Davor war sie knapp acht Jahre lang Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Mit ihrer Entscheidung für Müller wolle die Branche in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussion auch ein Zeichen setzen, hieß es aus Industriekreisen. Dass eine Frau den Posten bekommt, war den Autobossen dabei wohl ebenso wichtig wie die Tatsache, dass Müller mit ihren 52 Jahren gut zehn Jahre jünger ist als ihr Vorgänger Mattes. Auch Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel und der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger, die beide als Kandidaten gehandelt worden waren, sind älter. Vor allem eine Berufung Oettingers, so ist zu hören, hätte wohl ein falsches Signal gesendet. Der frühere Ford-Manager Mattes hatte im September überraschend seinen Rückzug angekündigt. Er ist erst seit März 2018 VDA-Präsident, seine Amtszeit lief eigentlich bis Ende 2020.

Als Schlichter gefordert

Müller wäre erst die zweite Frau an der Spitze des Verbandes. Erika Emmerich, bis dahin Präsidentin des Kraftfahrt-Bundesamtes, hatte 1989 die Führung übernommen. Seit ihrem Abschied 1996 ging das Amt des Präsidenten aber nur noch an Männer.

Als Mattes’ Nachfolgerin muss nun Müller unter Beweis stellen, dass sie Streit schlichten und den Lobbyverband des wichtigsten deutschen Industriezweigs auf gemeinsame Linien ausrichten kann. Der VDA gilt gemeinhin als schwer zu führender Verband, weil er die verschiedenen Interessen der Hersteller sowie der Zulieferer, darunter viele kleine, unter einen Hut bringen muss.

Im Streit um die Zukunftsausrichtung der Branche verlaufen die Gräben mitunter auch quer durch die Reihen der Konzerne. Im Frühjahr brodelte es heftig zwischen Volkswagen auf der einen und Daimler und BMW auf der anderen Seite. VW-Chef Herbert Diess wollte den Verband wie den Wolfsburger Konzern stärker auf die Förderung reiner Elektroantriebe ausrichten. Daimler und BMW reagierten verschnupft, weil sie mit ihren oft schweren Autos auch stärker auf gemischte Plug-in-Hybride setzen. dpa

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