Wirtschaft

Taylor Park Neue kollaborative Arbeitsfläche für Kreative, Handwerker und Produzenten

„Honeycamp“ ergänzt bald Gründerzentren

Mannheim.Nein, auf dem 11500 Quadratmeter großen Areal auf dem Taylor Park sollen keine Bienen gezüchtet werden. Das sogenannte „Honeycamp“, das dort in Form zweier Holzgebäude entsteht, soll ab Oktober dieses Jahres unterschiedlichste Gewerbetreibende zu günstigen Mieten vereinen. „Wir haben schon lange gemerkt, dass nicht mehr nach reinen Büroflächen, Werkstätten oder Hallen gesucht wird“, so Claus Fischer, der zusammen mit Joachim Walter „Honeycamp“ ins Leben gerufen hat.

Ihr Konzept klingt nach Coworking, soll nach ihrem Willen aber einen Schritt weitergehen: Manufakturen, Kreative, Designer und Produzenten sollen sich nicht einfach nur einmieten – sie sollen sich verzahnen und gemeinsame Geschäftsideen entwickeln. Wie ein Bienenvolk sollen sich auch die „Honeycamper“ ergänzen. Dafür haben sich die Gründer den Begriff „Cocrafting“ patentieren lassen – kollaboratives Arbeiten und Produzieren. Um den Austausch in Schwung zu bringen, gibt es Gemeinschaftsflächen wie etwa ein Yogaraum oder Kaminzimmer. Der Strom kommt aus der Solaranlage auf dem Dach, vor der Türe entstehen Parkplätze mit Elektroladesäulen. Sogar ein eigenes Saatgut hat man produzieren lassen, um auf dem Dach Lebensraum für Bienen und Falter zu schaffen.

Im „Honeycamp“ sollen 50 Unternehmen und mehr als 300 Personen Platz finden. Die Hälfte der Arbeitsflächen seien innerhalb von zwei Wochen reserviert worden, erzählen die Gründer. Künftig sollen auf dem Areal zwischen Radeberger Straße und dem Cecil-Taylor-Ring VW-Käfer zu Elektroautos umgebaut, an einem 3D-Druck-Verfahren geforscht und an Anlagen zu Wasseraufbereitung getüftelt werden.

„Idee einzigartig in Deutschland“

Außerdem finden eine Craftbeer-Brauerei, eine Kaffeerösterei, ein innovatives Textil-Hub und ein Tonstudio ein neues Zuhause. Walter und Fischer wählen alle „Honeycamper“ selbst auf Grundlage derer Geschäftsidee aus. „Wir wollen Leute, die professionell sind und Lust auf eine Gemeinschaft haben“, sagt Walter. Die Idee sei wichtiger als die Bonität. Auch drei Stipendien wollen die beiden als Starthilfe vergeben.

Die „Abteile“ in den zweistöckigen Gebäuden sind modular aufgebaut und können mit den Unternehmen mitwachsen. Der Mietpreis für einen Quadratmeter beginnt bei sieben Euro, die Miete für 120 Quadratmetern kostet etwa 870 Euro. Wirtschaftsstarke Unternehmen sollen höhere Preise zahlen.

Rund 11,5 Millionen Euro haben Walter und Fischer in das „Honeycamp“ investiert. Und das soll erst der Auftakt für ein größeres Imperium aus „Honeycamps“ werden. In Hamburg, Dortmund und Berlin solle es weitergehen. Selbst mit den Städten Riga und Rotterdam sei man in Gesprächen.

Wolfgang Miodek vom Fachbereich für Wirtschafts- und Strukturförderung der Stadt Mannheim unterstützt das Vorhaben: „Das ist der ideale Standort für die Nachgründungsphase“. Start-ups, die sich etabliert hätten, könnten hier größere Flächen finden. Die Idee des „Cocrafting“ sei einzigartig in ganz Deutschland. Auch Franz Zumbruch, Leiter der Creative Commission bei Startup Mannheim, war gleich im besten Sinne „alarmiert“ als er von den Plänen hörte, erzählt er. Ab Oktober ist er als Senior Consultant mit im Team. Und ab diesem Monat sollen die ersten Bienen ins „Honeycamp“ einfliegen.

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