Wirtschaft

Tourismus Branche meldet Rekord / Fachkräfte fehlen

Hotels an der Wachstumsgrenze

Wiesbaden.An den Küsten hat sich die Saison verlängert, und kulturell geprägte Städte-Trips liegen voll im Trend: Der Deutschland-Tourismus hat auch im vergangenen Jahr zugelegt. Doch die Geschäfte könnten vielerorts noch besser laufen, wenn mehr Personal zu finden wäre, klagt der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga - und will zumindest für die vorhandene Mannschaft mehr Flexibilität. Die Gewerkschaft NGG aber warnt vor längeren Arbeitszeiten.

Für Touristen und Geschäftsreisende aus dem In- und Ausland bleibt Deutschland ein attraktives Reiseziel. Im vergangenen Jahr wurden mit 495,6 Millionen Übernachtungen so viele gezählt wie nie zuvor, berichtete das Statistische Bundesamt. Es war der zehnte Übernachtungsrekord in Folge. Die Steigerung der Übernachtungszahlen im Vergleich zu 2018 betrug 3,7 Prozent, wobei sie bei Gästen aus dem Inland (plus 3,9 Prozent) etwas stärker zulegte als bei den Ausländern (plus 2,5 Prozent).

Gewerkschaft unversöhnlich

Beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ist die Stimmung dennoch gedämpft – durch Fachkräftemangel, steigende Betriebskosten und die zunehmende Bürokratie, klagt Präsident Guido Zöllick. Eine Reform des Arbeitszeitgesetzes zählt zu den wichtigsten Forderungen der Branche.

„Wir brauchen an dieser Stelle mehr Ehrlichkeit von allen Seiten“, sagt auch Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. „Es geht uns nicht um Mehrarbeit für die Beschäftigten, sondern darum, dass flexibel darauf reagiert werden kann, wenn mehr Arbeit anfällt. Natürlich muss das dann später ausgeglichen werden.“ Anweisungen zu überlangen Arbeitstagen von oben herab seien sicher nicht die Zukunft. „Es hat niemand etwas von ausgepowerten Mitarbeitern. Dann leidet schließlich auch die Gastfreundschaft.“

Die Gewerkschaft NGG warnt vor einer Ausweitung der Arbeitszeiten. „Die rund 1,7 Millionen Beschäftigten der Branche arbeiten längst an der Belastungsgrenze. Wer jetzt nach längeren Arbeitszeiten ruft, setzt die Gesundheit derer aufs Spiel, die den Zehn-Jahres-Boom erwirtschaftet haben“, sagt der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler. Die Dehoga-Forderungen gingen „völlig an der Realität vorbei“. 

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