Wirtschaft

Unternehmen Für Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht außer Frage: Eines seiner beiden Kinder übernimmt die Firma – welches, soll seine Frau entscheiden

„Ich werde nie einen Manager einstellen“

Burladingen.Mit Prahlerei kennt Wolfgang Grupp sich aus. Als Zehnjähriger hat er sie bei Mitschülern auf dem Jesuitenkolleg erlebt. Der eine gab an mit dem väterlichen Schloss, andere protzten mit dem väterlichen Diplomatenstatus, der väterlichen Firma. Der 77-Jährige sieht darin nichts Anrüchiges. Vielmehr betrachtet der Trigema-Inhaber das als Grundstein einer Unternehmensnachfolge ganz in seinem Sinn. „Normalerweise sind Kinder stolz auf ihr Elternhaus. Wenn sie das, was der Vater macht, nicht machen wollen, war die Vorbildfunktion fatal.“

Darum muss sich Wolfgang Grupp nicht sorgen. 1969 übernahm er die Geschäftsführung des Sport- und Freizeitbekleidungsherstellers Trigema von seinem Vater. Seitdem hat er mit Parolen wie „100% Made in Germany“ das Mittelstandsunternehmen als Sinnbild für schwäbische Solidität zementiert. Grupp belieferte in den vergangenen Jahrzehnten einstige Kauf- und Versandhausgrößen wie Karstadt und Quelle, SB-Warenhäuser und Discountmärkte. Heute vertreibt er Radtrikots und Jogginghosen auch in 45 eigenen Geschäften und online, der Umsatz ist zuletzt leicht auf 101,6 Millionen Euro gestiegen.

Nachfolger müssen sich beweisen

Eine Alternativlaufbahn stand für ihn nicht zur Debatte. Schon als Junge saß er den Näherinnen auf dem Schoß. Sein Großvater hatte die Firma 1919 im schwäbischen Burladingen gegründet. Grupp lässt keinen Zweifel daran, dass es auch über das 100. Jahr des Bestehens hinaus in Familienhand bleibt: „Ich werde nie einen Manager einstellen.“

Danach sieht es auch nicht aus: Tochter Bonita leitet bei Trigema die Bereiche E-Commerce und Personal. Sohn Wolfgang junior verantwortet Verkauf und IT. Einer von beiden wird einmal Chef des 1200-Mitarbeiter-Unternehmens. Doppelspitze? Ausgeschlossen. „Das Modell steht fest. Es kann nur ein Kind die Firma kriegen“, sagt Grupp senior. Welches, das werde wohl seine Frau Elisabeth entscheiden müssen, die 24 Jahre jünger ist als er.

Einer Studie des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen (FIF) zufolge halten 67 Prozent der befragten Unternehmerkinder eine Karriere als Geschäftsführer im Familienunternehmen für wahrscheinlich. Nach Angaben der Stiftung Familienunternehmen fällt ihnen diese jedoch seltener einfach so zu. „Es gibt nicht mehr den Kronprinzen, der von Anfang an gesetzt ist“, sagt Geschäftsführer Stefan Heidbreder. Potenzielle Nachfolger müssten sich beweisen und so gut wie andere auf dem freien Markt sein. Viele Seniorchefs täten sich schwer mit einer Wachablösung, weil Herzblut in ihrem Lebenswerk stecke. „Ein verbindlicher Zeitplan hilft für eine gelingende Nachfolge.“

In der Burladinger Trigema-Zentrale nimmt Wolfgang Grupp täglich Platz an seinem Schreibtisch im schmucklosen Großraumbüro. Die Anzugknöpfe glänzen, das Einstecktuch sitzt, Mitarbeiterinnen nennt er „Fräulein“. Grupp zelebriert einen Firmenchef-Habitus alter Schule. Doch so eisern er auf eine familiäre Nachfolge pocht, so entschlossen spricht er davon, wirtschaftlichen Wandel selbst mitprägen zu wollen. Beispiel Digitalisierung. „Ich muss da als Erster dabei sein!“, sagt er.

Schnelle Entscheidungen wichtig

Mit seinen Kindern – der 29-jährigen Bonita sowie dem 28-jährigen Wolfgang – bespricht er morgens beim gemeinsamen Frühstück den anstehenden Arbeitstag. Vorschlagen dürften sie ihm alles, gerade im Bereich Digitalisierung, wo sie versierter seien als er. Allzu lange darüber diskutieren sollten sie nicht. „Mich nervt am meisten, wenn es nicht vorwärts geht. Bei mir muss immer sofort entschieden werden.“ Es klingt nicht danach, als wolle er in nächster Zeit auf das letzte Wort verzichten.