Wirtschaft

Tarif Gewerkschaft schlägt Vier-Tage-Woche mit teilweisem Entgeltausgleich vor / Betriebe sollen individuell gestalten können / Endgültige Forderung Ende des Monats

IG Metall will bis zu vier Prozent mehr Lohn

Archivartikel

Frankfurt.Mit einer Forderungsempfehlung von „bis vier Prozent“ bei einer Laufzeit von zwölf Monaten eröffnet der Vorstand der IG Metall die Tarifrunde 2021. Das Volumen soll nach Angaben von Gewerkschaftschef Jörg Hofmann die Einkommen der rund 3,8 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie stärken und der Finanzierung der Beschäftigungssicherung dienen. „Für uns stehen Beschäftigungssicherung, Zukunftsgestaltung und die Stabilisierung der Einkommen im Mittelpunkt der Tarifbewegung.“

Nach der Beratung in den Regionen, Tarifbezirken und Betrieben will der Vorstand am 26. November die endgültige Forderung festlegen. Mitte Dezember sollen die Verhandlungen beginnen, die Friedenspflicht endet am 1. März. Dann wären nach den Worten von Hofmann auch Warnstreiks und andere Protestformen möglich. „Die Pandemie macht uns nicht zu zahnlosen Tigern“, sagt der Gewerkschaftschef.

Die Beschäftigungssicherung steht nach Angaben von Hofmann nicht nur wegen der Corona-Pandemie im Vordergrund, sondern auch wegen des Strukturwandels durch die Digitalisierung und den Klimawandel. Deshalb geht es der Gewerkschaft auch um Zukunftstarifverträge, die notwendige Investitionen ermöglichen und gleichzeitig die Beschäftigung sichern sollen.

„Arbeit gerechter verteilen“

Mit Blick auf die Entgeltforderung sieht die IG Metall eine Vier-Tage-Woche als Option. Ein Teil der Erhöhung könne durch die Absenkung der Arbeitszeit dann in einen Teillohnausgleich für die Beschäftigten fließen. „Die Vier-Tage-Woche kann eine Antwort sein, um auf lange Sicht Beschäftigung zu sichern“, sagt Hofmann. Die wöchentliche Arbeitszeit werde dann von 35 auf 32 Stunden, also auf vier mal acht Stunden sinken. Es gebe freilich viele Optionen, wie das am Ende gestaltet werden könne. Das müsse vor Ort in den Betrieben diskutiert werden. „Ziel ist, die Arbeit gerechter zu verteilen statt Beschäftigung abzubauen und Menschen zu entlassen.“

Die Gewerkschaft fordert auch eine Anpassung der Arbeitszeit und der Stundenlöhne bei den Beschäftigten in Ostdeutschland. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das nach Ansicht von Hofmann mehr als überfällig. Unternehmen, denen es schlechter gehe, könnte, so der IG Metall-Chef, eine Arbeitszeitverkürzung die Möglichkeit eröffnen, Fachkräfte zu halten, wenn denn die Option der Kurzarbeit ausgeschöpft sei.

Der Gewerkschaftschef verweist auf Betriebe, die bereits die Vier-Tage-Woche praktizierten. Sie würden als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen und führten zu höherer Lebensqualität für die Beschäftigten. Hofmann zufolge ist die Situation in den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie derzeit unterschiedlich. Ein Drittel sei unterausgelastet, ein Drittel sei wieder in einer guten Lage, und bei einem Drittel werde sogar wieder über Mehrarbeit und eine Aufstockung des Personals über Leiharbeit nachgedacht.

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