Wirtschaft

Tarifrunde Gewerkschaft stellt erste Weichen für Verhandlungen ab Dezember / Arbeitgeber pochen angesichts der Corona-Krise auf Nullrunde

IG Metall will mehr Geld und sichere Jobs

Leinfelden-Echterdingen.Auf drei Prozent beziffert der baden-württembergische IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger den Verteilungsspielraum für die anstehende Tarifrunde in der Metallindustrie. „Einer Nullrunde oder gar einer Minusrunde erteilen wir eine klare Absage“, betonte er nach einer Sitzung der Tarifkommission. In den nächsten Wochen werde in den Betrieben diskutiert, ob neben dem Ausgleich für Inflation und Produktivitätsfortschritt in die endgültige Forderung ein Nachschlag für das laufende Jahr einfließen soll oder ein Aufschlag zur Stärkung der Kaufkraft.

Die endgültige Forderung für die Tarifrunde will die Große Tarifkommission Mitte November beschließen. Die erste Verhandlungsrunde für die zum Jahreswechsel gekündigten Entgeltverträge ist auf den 16. Dezember terminiert.

Vier-Tage-Woche in der Diskussion

Zitzelsberger formulierte zwei Ziele für die anstehenden Gespräche: Nach zweieinhalb Jahren ohne lineare Lohnerhöhung müssten 2021 die Einkommen steigen. Zweiter Schwerpunkt sei die Sicherung der Arbeitsplätze. „Das Forderungsvolumen soll dazu dienen, Beschäftigung abzusichern und die Einkommen zu stabilisieren“, sagte der Bezirksleiter.

Für die Arbeitgeber lässt die Gewerkschaft mit dieser Position „leider völlig die Einsicht in die extrem schwierige Situation unserer Industrie vermissen“, erklärte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf. Ein Abschluss, der die ohnehin schon hohen Arbeitskosten verteuere, sei „in dieser Zeit schlicht nicht machbar“.

Zitzelsberger kündigte an, dass es in den internen Diskussionen auch um die Einführung einer Vier-Tage-Woche mit einem Teillohnausgleich gehen wird. Diesen Vorschlag hatte der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann gemacht und war damit auf harsche Ablehnung bei den Arbeitgebern gestoßen. Es gehe darum, weitere Optionen für Arbeitszeitreduzierung zu schaffen. „Dieser Vorschlag läuft darauf hin, die Kosten der geleisteten Arbeit zu verteuern“, konterte Wolf.

Kontroversen zeichnen sich bei der Forderung der Arbeitgeber nach einer Öffnungsklausel ab, damit wirtschaftlich schwer getroffene Unternehmen in einem „automatisierten Prozess vom Flächentarifvertrag nach unten abweichen können“. Zitzelsberger verwies zwar auf die große Bandbreite zwischen den Firmen, die von Medizingeräteherstellern mit zweistelligen Wachstumsraten bis zu Betrieben mit monatelanger Kurzarbeit reiche. Das sei für die Tarifpolitik „extrem anspruchsvoll“.

Zugleich erneuerte Zitzelsberger seine Kritik, dass derzeit zum Teil gut aufgestellte Unternehmen die Krise nutzten, um einen lange vorher geplanten Personalabbau zu realisieren. Er sprach von „knallharten Massenentlassungen“.

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