Wirtschaft

Corona Zu Ansteckungen am Arbeitsplatz gibt es keine belastbaren Zahlen / Arbeitgeber müssen Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter ergreifen

Infektionen in Bus und Bahn kaum nachvollziehbar

Archivartikel

Mannheim.Welche Rolle spielen Ansteckungen im Beruf und auf dem Weg zur Arbeit in der zweiten Pandemie-Welle? Und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es? Fragen und Antworten im Überblick:

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Wie viele Menschen stecken sich bei der Arbeit an?

Das weiß leider derzeit niemand so genau. „Bei 75 bis 80 Prozent der Infizierten haben wir keine Informationen, wo sie sich angesteckt haben“, räumt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI), in Berlin ein.

Immer wieder kommt es zu größeren Corona-Ausbrüchen. Gibt es darüber Daten?

Das RKI erhebt Zahlen zu Ausbrüchen, die drei oder mehr Personen betreffen. Diese haben demnach in dieser zweiten Welle am häufigsten in Alten- und Pflegeheimen sowie in privaten Haushalten stattgefunden. Etwa gleichauf folgten medizinische Behandlungseinrichtungen und Arbeitsplätze. Aber auch hier sind die Daten mit Vorsicht zu genießen. Laut RKI kann nur ein Sechstel der insgesamt gemeldeten Fälle einem Ausbruch zugeordnet werden.

Spielen ÖPNV und Bahnverkehr eine Rolle bei Corona-Ausbrüchen?

Im öffentlichen Verkehr lassen sich Ausbrüche in aller Regel im Nachhinein nicht nachvollziehen, da sich die meisten Personen in Bus, Tram oder Bahn nicht kennen. Sie können daher auch später nicht als Kontaktpersonen von den Gesundheitsämtern kontaktiert werden. Allein die Corona-Warn-App kann Reisende über eine Risikobegegnung informieren, aber auch dann ist nicht gesichert, wo diese stattgefunden hat. Das RKI geht daher davon aus, dass Übertragungen im öffentlichen Verkehr „untererfasst“ sind.

Reichen die vorgeschriebenen Abstände aus, um eine Infektion zu verhindern?

Vermutlich nicht immer. Mehrere Ausbruchsuntersuchungen zeigen: Schlecht belüftete Innenräume und eine hohe Anzahl an Personen erhöhen das Risiko von Übertragungen am Arbeitsplatz deutlich. Um dieses zu senken, gilt: so wenig Menschen wie möglich in einem Raum, häufiges Lüften und Mund-Nasen-Schutz tragen.

Gibt es dafür gesetzliche Vorgaben?

Ja. Die „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel“ ist seit Ende August in Kraft und sie schreibt eindeutig vor: „Der Arbeitgeber hat insbesondere Maßnahmen zu ergreifen, die die Anzahl ungeschützter Kontakte zwischen Personen (auch indirekter Kontakt über Oberflächen) sowie die Konzentration an luftgetragenen Viren in der Arbeitsumgebung soweit wie möglich verringern.“

Geeignete Maßnahmen sind demnach: Einhaltung der Abstandsregel, Arbeiten in festen Teams, die Trennung der Atembereiche durch technische Maßnahmen, die Nutzung von Fernkontakten, die verstärkte Lüftung, die Isolierung Erkrankter, eine intensivierte Oberflächenreinigung und eine zusätzliche Handhygiene.

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