Wirtschaft

Isodraht Mannheimer Unternehmen meldet Insolvenz in Eigenverantwortung an / Kritik der IG Metall

Isodraht meldet Insolvenz in Eigenverantwortung an

Archivartikel

Mannheim.Das Mannheimer Unternehmen Isodraht GmbH hat einen Insolvenzvertrag in Eigenverwaltung gestellt. Das teilte der Wickeldraht-Hersteller am Dienstag mit. Ziel sei, die Restrukturierung abzuschließen. Die Mannheimer IG Metall bezeichnet diesen Schritt allerdings als „Taschenspielertrick“.

Die Eigenverwaltung biete einen rechtlichen Rahmen, um die laufendende Restrukturierung abzuschließen, erklärt Geschäftsführer Burkhard von Mauschwitz in der Mitteilung. Mitte Mai hatte Isodraht angekündigt, die Mannheimer Produktion dichtzumachen, 95 von 116 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. Der Standort Mannheim soll künftig nur als Vertriebsniederlassung fungieren sowie ein Lager unterhalten. Die Produktion soll nach Schweden und Polen ausgelagert werden.

Abfindungen gedeckelt

„Unser Ziel ist, die Eigenverwaltung schon zum Ende des Jahres abzuschließen und daraus als gesundes und finanziell solide aufgestelltes Unternehmen hervorzugehen“, sagt von Mauschwitz. Die Gehälter der Belegschaft seien für maximal drei Monate durch das Insolvenzgeld gesichert. Während des Verfahrens bleibt die Geschäftsführung mit allen Kompetenzen im Amt.

„Das Verfahren ist eine bodenlose Schweinerei“, sagt der Mannheimer IG Metall-Chef Thomas Hahl zur Insolvenz in Eigenverwaltung. Die Belegschaft habe schon in der Vergangenheit auf Gehalt verzichtet, um das Werk zu retten. Nun müssten die Mitarbeiter wieder grobe Managementfehler ausbaden. Und jetzt würde Ihnen auch noch eine gerechte Abfindung vorenthalten, kritisiert Hahl.

Außerdem fordert er eine Transfergesellschaft, in der die meist älteren Beschäftigten für neue Jobs weiterqualifiziert werden. Hahl: „Stattdessen werden sie nun in die Perspektivlosigkeit entlassen.“

Der Hintergrund dieser Kritik: In einem Insolvenzverfahren sind die Abfindungen gedeckelt – nach Angaben der Gewerkschaft auf 2,5 Monatsgehälter. Das ist ein Bruchteil dessen, was langjährigen Beschäftigten bei einem regulären Sozialplan zustehen würde. „Das Vorgehen ist zwar nicht illegal, aber moralisch unlauter“, so Hahl. Nach seiner Ansicht hätte das Werk mitsamt Produktion gerettet werden können: „Hier arbeiten hoch qualifizierte Menschen, die auch sehr gute Lösungsvorschläge gebracht hatten.“

Geschäftsführung: Rote Zahlen

Das Management habe aber von vornherein nur das Ziel verfolgt, die Produktion zu schließen. Durch den Insolvenzantrag sei auch die Chance vergeben worden, neue Investoren mit ins Boot zu holen, so Hahl.

Die Geschäftsführung wiederum betont, dass das Unternehmen schon seit mehreren Jahren rote Zahlen schreibe. Gründe seien „massive Überkapazitäten am Markt verbunden mit einem immer größeren Kostendruck“. Hinzu kämen die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. 2020 werden sich der Mitteilung zufolge die Verluste im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich verdoppeln. Die Isodraht GmbH hat schwedische Eigentümer, LWW Group und Elcowire Group.