Wirtschaft

Finanzen Durch die USA ausgelöste Handelskonflikte und vielfach hohe Staatsschulden belasten Weltwirtschaft / Deutsche Exporteure erfolgreich

IWF dämpft globale Wachstumsaussichten

Nusa Dua.Das Ambiente ist perfekt, die Indonesier haben das weltgrößte Treffen der internationalen Finanzszene hervorragend organisiert. Doch zum Auftakt der zahlreichen Konferenzen der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank drückte IWF-Chef-Volkswirt Maurice Obstfeld gestern die Stimmung. Denn der IWF kappt seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft für dieses und das kommende Jahr. Hauptgründe: die weltweiten, von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskonflikte sowie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten etlicher Schwellenländer.

Im Juli noch hatte der IWF für 2018 und 2019 ein Wachstum von 3,9 Prozent vorhergesagt. In dem von Obstfeld traditionell kurz vor Beginn der Jahrestagung vorgelegten Wirtschaftsausblick wird die Prognose für beide Jahre auf 3,7 Prozent reduziert. „Es sind Wolken aufgezogen“, sagte Obstfeld. Er machte dafür auch die Abschwächung und Probleme in Europa mit Blick unter anderem auf Italien und den Brexit verantwortlich. Für Deutschland wird die Prognose für das laufende Jahr von 2,2 auf 1,9 Prozent reduziert, für 2019 von 2,1 ebenfalls auf 1,9 Prozent. Auch für die USA und China kappte der Fonds die Prognose.

Ausfuhren von 879 Milliarden Euro

Ungeachtet der trüben Prognosen macht Deutschlands Exportwirtschaft nach wie vor glänzende Geschäfte. Im August 2018 lieferten heimische Firmen Waren „Made in Germany“ im Gesamtwert von 105,2 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von gestern 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Von Januar bis einschließlich August stiegen die Ausfuhren um 4,2 Prozent auf 879 Milliarden Euro. In der Außenhandelsbilanz ergab sich für August ein Überschuss von rund 17,2 Milliarden Euro.

Im Mittelpunkt des Treffens auf Bali stehen auch die Schwellenländer. Sie werden derzeit vor allem durch die steigenden Zinsen in den USA und den stärkeren Dollar getroffen. Dies schwächt die jeweiligen Währungen und verteuert damit die Bedienung der auf Dollar lautenden Schulden. Zugleich führt es zu Kapitalabflüssen, was wiederum notwendige Investitionen in die Infrastruktur erschwert.

Besonders belastet werden zurzeit Argentinien, die Türkei, Südafrika, Brasilien und auch Indonesien. Besonders dramatisch ist die Lage derzeit in Venezuela: Der IWF bescheinigt der Wirtschaft von Venezuela praktisch den totalen Kaufkraftverlust. Die Preissteigerung betrage am Ende des laufenden Jahres 1,37 Millionen Prozent.

IWF-Ökonom Obstfeld sieht allerdings keine neue Schwellenländerkrise. Die Staaten seien heute viel widerstandsfähiger als noch in der Vergangenheit. Und nicht in allen Ländern laufe es schlechter: In einigen Ländern Lateinamerikas und Afrikas entwickle sich die Wirtschaft gut. „Wir sehen derzeit ein sehr gemischtes Bild.“ (mit dpa)