Wirtschaft

Corona Pandemie beherrscht virtuelle Jahrestagung mit der Weltbank / Hohe Schuldenlast bedroht ärmste Staaten / Ruf nach verlängertem Moratorium

IWF warnt vor massiven Wohlstandsverlusten

Frankfurt.Normalerweise drängelten sich Tausende von Ministern, Bankern, Ökonomen und Wissenschaftlern in Washington bei der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank. Dieses Mal sitzen alle vor Computer- oder Tablet-Bildschirmen. Corona zwingt die beiden mächtigen Organisationen erstmals zu einer virtuellen Tagung. Und das Virus, die Pandemie, ihre Auswirkungen und ihre Bekämpfung sind das dominierende Thema.

Das Bild sei in den vergangenen Monaten zwar etwas weniger düster geworden, sagt IWF-Chefin Kristalina Georgieva. „Aber immer noch erwarten wir die schlimmste weltweite Rezession seit der Großen Depression des vergangenen Jahrhunderts. Die Wirtschaftsleistung dürfte in diesem Jahr um 4,4 Prozent einbrechen“, sagt sie. Und in den nächsten fünf Jahren werde es zu Wohlstandsverlusten von geschätzt 28 Billionen Dollar kommen. Die Rückkehr zu Verhältnissen vor der Krise werde schwierig, unsicher und für Rückschläge anfällig sein. Weltbank-Präsident David Malpass warnt vor einem dramatischen Rückschlag bei der Armutsbekämpfung.

Zinszahlungen gestundet

Insgesamt dürfte die Schuldenlast nach Berechnungen des IWF bis Ende dieses Jahres weltweit wegen der massiven Corona-Hilfs- und der Konjunkturprogramme auf 100 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, so viel wie nie zuvor. 2019 hatte die Quote noch bei 83 Prozent gelegen. Industrie- und Schwellenländer können sich dem Problem nach Georgievas Ansicht mittelfristig entgegenstemmen – die ärmsten Staaten aber kaum.

Georgieva und Malpass betonen die Unterstützung durch IWF und Weltbank für die betroffenen Schwellen- und Entwicklungsländer. Der IWF hat Kredite in Höhe von mehr als 280 Milliarden Dollar bereitgestellt. Für die 77 ärmsten Länder gilt ein Schuldenmoratorium bis Ende des Jahres. Bis Ende September waren ihnen 11,5 Milliarden Dollar an Zins- und Tilgungszahlungen gestundet worden. 28 Länder stecken nach Angaben der Weltbank bereits in einer Schuldenkrise, einigen droht die Zahlungsunfähigkeit. Die Bank hat 111 Staaten mit bislang 6,6 Milliarden Dollar bei Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie unterstützt. Bis Ende 2021 will sie weitere 160 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, 50 Milliarden davon als Zuschuss.

Die in der Gruppe der 24 zusammengeschlossenen Schwellen- und Entwicklungsländer begrüßen diese Unterstützung ausdrücklich. Allerdings müsse noch mehr passieren. Ausdrücklich pochen sie darauf, das Schuldenmoratorium über das Jahr 2020 hinaus zu verlängern.

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