Wirtschaft

USA Vor dem Gipfel mit der Europäischen Union betonen beide Seiten ihre Verhandlungsbereitschaft / Gegenseitige harte Sanktionen sind vorbereitet

Jeder ist für freien Handel – zu seinen Bedingungen

Archivartikel

Buenos Aires/Berlin.Trotz des eskalierenden Zollstreits zwischen den USA und der Europäischen Union haben beide Seiten ihren Willen zum Freihandel bekräftigt. „Die USA wollen freien und fairen Handel“, sagte US-Finanzminister Steve Mnuchin zum Abschluss des Treffens der G20-Finanzminister und Notenbankchefs in Buenos Aires. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) betonte den Nutzen offener Märkte: „Die Wohlstandsgewinne sind für alle größer, wenn wir kooperieren.“

Unterschiedliche Auffassungen herrschen aber über die Frage, was freier Handel eigentlich bedeutet. „Wir haben ein Defizit im Handel mit der EU. Sie schützt viele ihrer Märkte“, sagte Mnuchin. Für die US-Regierung muss bei den Gesprächen alles auf den Tisch: neben Zöllen auch technische Handelshemmnisse und Subventionen. „Wir wollen nur sicherstellen, dass amerikanische Arbeiter und Unternehmer fair behandelt werden“, sagte Mnuchin. Nach Einschätzung der Europäer hingegen haben die Vereinigten Staaten mit ihren Zöllen auf Stahl und Aluminium den Konflikt überhaupt erst angezettelt.

Das Ifo-Institut rät der EU, auf die US-Vorschläge für ein neues Freihandelsabkommen zwischen den weltweit wichtigsten Industriestaaten einzugehen. Die Initiative des amerikanischen Finanzministers Mnuchin auf dem G20-Gipfel in Buenos Aires sei eine Chance, den Handelsstreit zu beenden, erklärte Ifo-Handelsexperte Gabriel Felbermayr in München. Die EU-Spitzen sollten im Konflikt mit US-Präsident Donald Trump „die Beleidigungen der letzten Tage vergessen und die Aufnahme von ernsthaften Verhandlungen anbieten“.

Globale Wachstumsbremse

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Mattes, warnt davor, den USA bei Gesprächen über die angedrohten Sonderzölle auf importierte Autos mit Forderungen gegenüberzutreten. Mattes sagte dem SWR, er habe bei seinem Besuch in Washington bemerkt, dass die US-Regierung bereit sei, über freien Handel zu reden, allerdings ohne Vorbedingungen. Mattes hatte für die deutschen Autobauer in Washington an einer Anhörung im Handelsministerium teilgenommen.

Aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte ausgerechnet die US-Wirtschaft wegen drohender Strafzölle in zahlreichen Ländern der größte Verlierer einer weiteren Eskalation im Handelsstreit sein. Letztendlich würde aber die ganze Welt unter einem Zoll-Wettrüsten leiden. Im schlechtesten Fall könnte die weltweite Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um 0,5 Prozent oder 430 Milliarden US-Dollar niedriger liegen als bislang erwartet, schätzt der IWF.

In Washington könnte es nun ans Eingemachte gehen. Morgen reisen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström zu Gesprächen in die Vereinigten Staaten. Sollte Trump nicht einlenken, erwägt die Europäische Union weitere Gegenmaßnahmen. Zunächst soll aber eine Lösung am Verhandlungstisch gesucht werden. dpa