Wirtschaft

Finanzen Rivalisierende Institute wollen in Hessen Filialen zusammenlegen – das könnte bundesweit Schule machen

Jetzt kommt die „Volks-Sparkasse“

Archivartikel

Frankfurt.Aus Rivalen werden Partner: Angesichts des Spardrucks legen die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse in Hessen in größerem Umfang Filialen zusammen. Das soll die Kosten senken und zugleich eine Präsenz in der Fläche gewährleisten. Deutschlands zweitgrößte Volksbank bestätigte am Freitag entsprechende Medienberichte. Details wollen die beiden Geldhäuser in einer Pressekonferenz am Dienstag bekanntgeben. Die Kooperation ist eine Antwort auf den Spardruck und könnte daher bundesweit Schule machen. Denn die gesamte Branche müht sich, den Spagat zwischen digitalen Angeboten und Präsenz in der Fläche zu schaffen.

Beleuchtung als Signal

Viele Kunden erledigen Bankgeschäfte fast nur noch am heimischen Computer oder auf dem Smartphone. Seit Jahren schrumpft die Zahl der Filialen, denn das dichte Netz kostet die Institute eine Menge Geld – und das in einer Zeit, in der sich Geldhäuser wegen des Zinstiefs ohnehin schwertun mit dem Geldverdienen und zugleich viel Geld für Regulierung und neue digitale Angebote aufwenden müssen.

Den Berichten zufolge werden Frankfurter Volksbank und Taunus Sparkasse an 50 Standorten ihre Präsenz zusammenlegen. Die gemeinsamen Filialen sollen an vier Wochentagen geöffnet haben: An zwei Tagen werden Sparkassen-Kunden betreut, an den anderen zwei Tagen Volksbank-Kunden.

Kunden werden anhand unterschiedlicher Beleuchtung – mal rot für die Sparkasse, mal blau für die Volksbank – erkennen, welches Institut gerade vertreten ist. Basisdienstleistungen wie etwa Geldabheben sollen durchgehend für alle Kunden über Automaten angeboten werden.

In die Umgestaltung der Filialen investieren die beiden Institute gemeinsam bis zu fünf Millionen Euro – und sparen im Gegenzug jeweils jährlich Kosten in einstelliger Millionenhöhe.

Im vergangenen Jahr setzten sich Filialsterben und Fusionsdruck auf dem deutschen Bankenmarkt unter dem Druck der Zinsflaute und der Digitalisierung fort. Die Zahl der Geldhäuser verringerte sich Zahlen der Bundesbank zufolge zum Vorjahr um 40 auf 1783 Institute. Die Zahl der Zweigstellen schrumpfte über den gesamten deutschen Markt hinweg um 2239 auf 27 887 Filialen. Im Jahr 2007 waren es noch rund 40 000.

Nicht nur bei Volksbanken und Sparkassen, auch bei Privatbanken wie Deutscher Bank und Commerzbank steht das Filialnetz auf dem Prüfstand. Einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge gibt es bei der Deutschen Bank Überlegungen, im Rahmen des angekündigten radikalen Konzernumbaus eine größere Zahl von Filialen der Deutschen Bank und der Postbank zu schließen. Die Rede ist von 200 Zweigstellen. Auch die Commerzbank wird ihr dichtes Filialnetz möglicherweise ausdünnen. In der Debatte über die Ausrichtung sind dem Vernehmen nach auch Filialschließungen kein Tabu. Im Gespräch ist eine Verringerung der Zahl der Zweigstellen von rund 1000 auf 800 bis 900. dpa

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