Wirtschaft

Netzwelt Auf der re:publica wurden Nutzen und Risiken der künstlichen Intelligenz besprochen / 10 000 Besucher sorgen für Rekord

Kampf gegen organisierte Internet-Trolle

Archivartikel

Berlin.Hate Speech und Fake News, Datenschutz und Netzpolitik, künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit: Auf der re:publica hat sich die Netzgemeinde mit drängenden Digitalthemen auseinergesetzt. „Wir freuen uns, dass wir sehr viele notwendige gesellschaftliche Debatten weiterführen konnten oder vielleicht dazu beigetragen haben, sie anzustoßen“, sagte Mitgründer Markus Beckedahl zum Abschluss gestern. An drei Tagen waren insgesamt an die 10 000 Menschen in die Berliner Station gekommen – ein Besucherrekord.

Der Reporter und Nachrichten-Moderator Richard Gutjahr berichtete von seinem Kampf gegen organisierte Internet-Trolle und Verschwörungstheoretiker. Wer zum Ziel von Hass-Attacken werde, müsse zurückschlagen, sagte der Journalist. Gutjahr hatte sich 2016 sowohl beim Amoklauf von München als auch beim Terroranschlag an der Strandpromenade von Nizza zufällig in der Nähe der Tatorte befunden und von dort für die ARD berichtet. Kurz danach erhielt seine Familie Morddrohungen.

Zuvor hatte der Fernsehmoderator Jan Böhmermann mit einem „Call to Action“ dazu aufgerufen, sich im Rahmen einer Satireaktion am Kampf gegen Hass, Populismus und Verschwörungstheorien im Netz zu beteiligen. Die Teilnehmer der Aktion „Reconquista Internet“ sollen in geplanten Aktionen „Liebe und Vernunft“ im Netz verbreiten – nach dem Vorbild des rechtsextremen Online-Forums „Reconquista Germanica“, dessen Nutzer gemeinsam Hasskampagnen planen.

Bundeswehr ausgeschlossen

Aufsehen erregte auch der Ausschluss der Bundeswehr von der Konferenz. Die Armee empörte sich öffentlich, und auch manche Politiker kritisierten die Veranstalter, die sonst für Toleranz und Offenheit stünden. Die re:publica bekräftigte, man sei offen für einen Dialog. Aber ein Stand, an dem Soldaten in Uniform Rekrutierungsarbeit leisteten, sei unerwünscht. „Wir stehen für eine lebenswerte digitale Gesellschaft und nicht für eine Militarisierung des Internets“, hieß es. Auf der Bühne seien jedoch Mitarbeiter der Bundeswehrakademie aufgetreten.

Nachdem Hubertus Heil am Donnerstag über die Zukunft der Arbeit gesprochen hatte („Alles Gerede, dass die Arbeit ausgeht, ist falsch, davon bin ich überzeugt“), schaute Kabinettskollegin Katarina Barley (beide SPD) gestern vorbei. „Mein Eindruck ist dass Facebook sehr, sehr stark unter Druck steht. Das finde ich auf der einen Seite gut“, sagte die Justizministerin mit Blick auf den aktuellen Datenskandal. Auf der anderen Seite sei es schade, dass sich alle Aufmerksamkeit auf das Netzwerk richte. „Wir müssen das schon erweitern auf die anderen Player, die ducken sich jetzt etwas weg.“

Insgesamt wurde den Besuchern 500 Stunden Programm geboten: Immer wieder ging es um das Schwerpunktthema künstliche Intelligenz. US-Whistleblowerin Chelsea Manning betonte die Gefahren von Algorithmen. In militärischen Anwendungen könnten so Entscheidungen über Leben und Tod getroffen werden, so die Ex-Soldatin. dpa