Wirtschaft

Auto Lage des französischen Herstellers Renault spitzt sich zu / Staatliche Garantie für Kredite

Kampf ums Überleben

Paris.Der französische Wirtschaftsminister wählte dramatische Worte, um die Lage eines der beiden großen Autohersteller des Landes zu beschreiben. „Renault kämpft ums Überleben“, sagte Bruno Le Maire im Radiosender Europe 1. „Ja, Renault kann verschwinden. Ja, die großen Industriebetriebe können verschwinden“, ergänzte er, angesprochen auf die Folgen der Coronavirus-Krise für Frankreich. Untätig bleibe die Regierung aber nicht.

Sie hat Renault eine Garantie für Kredite von bis zu fünf Milliarden Euro in Aussicht gestellt, die die EU-Wettbewerbshüter bereits akzeptierten. Doch unterschrieben habe er sie noch nicht, sagte Le Maire, denn die staatliche Hilfe sei unter anderem an die Bedingungen geknüpft, dass französische Standorte und Arbeitsplätze erhalten blieben und das Elektroauto-Angebot ausgebaut werde. Für die Verbraucher stellte der Minister bereits Kaufprämien für umweltfreundlichere Fahrzeuge in Aussicht.

Mit einem Anteil von 15 Prozent ist der französische Staat der größte Aktionär von Renault. Das Traditionsunternehmen hat über seine wirtschaftliche Bedeutung hinaus auch großen symbolischen Wert für das Land. Nächste Woche wird ein Rettungsplan für die Automobilindustrie vorgestellt, die rund 900 000 direkte und indirekte Jobs sichert. Im April brach der französische Automarkt um fast 90 Prozent ein.

Doch die Probleme begannen für den Konzern mit dem Rauten-Symbol schon vor Ausbruch der Pandemie. Bereits 2019 war das Unternehmen erstmals seit zehn Jahren in die roten Zahlen gerutscht. Dem einstigen Konzernchef Carlos Ghosn, der 2018 unter anderem wegen des Vorwurfs der Untreue in Japan festgenommen wurde und dem Ende 2019 die spektakuläre Flucht in den Libanon gelang, hielt man zwar zugute, ein schlagkräftiges Bündnis mit Nissan und Mitsubishi geschmiedet zu haben. Kritikern zufolge entglitt zuletzt aber die Kontrolle der Kosten.

Standorte gefährdet

Die bisherige Finanzchefin Clotilde Delbos – die den Konzern übergangsweise leitet, bis im Juli der Ex-Seat-Chef Luca de Meo neuer Vorstandsvorsitzender wird –, kündigte bereits im Februar Kostensenkungen von rund zwei Milliarden Euro an. Bei den Einsparungen gebe es keine Tabus, sagte Delbos: Alle Fabriken in Frankreich und weltweit kämen auf den Prüfstand. Am kommenden Freitag soll sie ihren Kostenplan vorstellen. Doch vorab sorgte ein Bericht der investigativen Zeitung „Le Canard Enchaîné“, in dem von möglichen Standortschließungen die Rede war, für Aufruhr.

Zum Thema