Wirtschaft

Handel Erste Supermärkte verbannen Feuerwerk aus den Regalen – das freut Umweltschützer und ärgert die Hersteller

Kann denn Böllern böse sein?

Archivartikel

Berlin.Kracher und farbenfrohe Funken am Silvester-Himmel sind einer Umfrage zufolge für eine Mehrheit der Bundesbürger fester Bestandteil der Jahreswechsel-Tradition. Feuerwerk ist demnach für 57 Prozent eng mit Silvester verbunden. Gleichzeitig sind sich gut drei Viertel der Befragten aber auch bewusst, dass Raketen und Böller schlecht für die Umwelt sind. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage von YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor.

Lärm und Preis der Feuerwerke trüben den Spaß an der Böllerei ebenfalls. Sieben von zehn Befragten finden Feuerwerke demnach zu teuer. Am Krach der Knaller stören sich 43 Prozent. Außerdem sehen mehr als drei Viertel der Befragten eine Gefahrenquelle. Der Aussage „Feuerwerke sind gefährlich“ stimmen 79 Prozent zu.

Seit Wochen rührt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Werbetrommel für ein Verbot von privatem Feuerwerk. Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt ruft unter dem Motto „Brot statt Böller“ wieder zu Spenden auf. „Es ist Zeit, umzudenken und Freude und Glück nicht mit unbegrenztem Konsum gleichzusetzen“, hieß es am Freitag.

Branche sieht „Scheindebatte“

Die Forderung nach einem Böller-Verzicht stößt inzwischen bei immer mehr Händlern auf offene Ohren. Als prominentester Vertreter kündigte die Baumarktkette Hornbach jüngst an, von 2020 an in Deutschland kein Feuerwerk mehr ins Sortiment zu nehmen. Für dieses Jahr war es zu spät, die Ware war schon geliefert. Einige Kaufleute bei Rewe und Edeka verzichten aber auch in diesem Jahr schon auf das Geschäft mit Silvesterböllern.

Deutschlandweit hat die Branche im vergangenen Jahr rund 133 Millionen Euro Umsatz mit Böllern und Raketen gemacht und geht von ähnlichen Werten in diesem Jahr aus. Angesichts der Zahl gibt sich der Verband der pyrotechnischen Industrie weiter selbstbewusst. Man habe es mit einer „Scheindebatte“ zu tun, heißt es. Feuerwerk sei deutlich weniger schädlich als oft behauptet. Hornbachs Böller-Boykott nennt der Verband einen „Marketing-Gag“. Von den 33 000 Supermärkten in Deutschland verzichteten ohnehin nur wenige auf den Verkauf.

Auch Branchenkenner Uwe Krüger vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) geht davon aus, dass die Nachfrage hoch bleibt. „Ich glaube nicht, dass die Konsumenten dieses Jahr weniger Geld für Feuerwerk ausgeben werden“, sagt er. „Die Nachfrage ist ungebrochen, und der Handel wäre schlecht beraten, diese nicht zu bedienen.“ So haben Aldi, Lidl, Kaufland und Real angekündigt, an dem Geschäft mit der Knallerei festhalten zu wollen, weil es die Kunden so wünschen.

Für Firmen wie Weco könnte es an die Existenz gehen, sollten sich im kommenden Jahr auch die großen Ketten dem Boykott anschließen. Doch beim deutschen Branchenführer gibt man sich gelassen. Hornbach habe zuletzt ohnehin „keine nennenswerten Silvesterumsätze“ gemacht. Mit den Großkunden dagegen stehe man schon in Verhandlungen für Silvester 2020 und sehe dort „noch keinerlei Anzeichen für Verzichtsabsichten“.

Der Versuch von Umweltschützern, das Böllern aus den Innenstädten zu verbannen, hat einer dpa-Umfrage vom November zufolge bislang jedoch keine größeren Folgen. Eine große Mehrheit freut sich der YouGov-Umfrage zufolge über Raketen am Silvester-Himmel. 84 Prozent der Interviewten sagten, Feuerwerk sei schön anzusehen. Knapp die Hälfte (49 Prozent) findet Feuerwerke zudem gesellig.

Verkauf nur an drei Werktagen

An diesem Samstag beginnt in Deutschland der Verkauf von Raketen und Böllern. Dieses sogenannte Kleinfeuerwerk darf laut Gesetz nur an den letzten drei Werktagen des Jahres verkauft werden. Für den Jahreswechsel 2019/2020 erwartet der Verband der pyrotechnischen Industrie 133 Millionen Euro Umsatz – etwa so viel wie im Vorjahr.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte die Bundesregierung aufgefordert, kommunale Böllerverbote mit Änderungen in der Sprengstoffverordnung und im Bundesimmissionsschutzgesetz zu erleichtern. Unter dem Motto „Silvester for Future“ wirbt die Umwelthilfe für ein feinstaub- und verletzungsfreies Silvester: „Feiern Sie rauschende Silvesterfeste – aber ohne dabei die Luft zu verpesten, ihre Mitmenschen zu gefährden, Tiere in Panik zu versetzen und die Landschaft zu verdrecken“, so Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch am Freitag in einer Mitteilung.

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