Wirtschaft

Karstadt vor Fusion mit Galeria Kaufhof

Die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof sind in ihren Gesprächen über ein Zusammengehen beider Warenhausketten vorangekommen. Der kanadische Kaufhof-Eigentümer Hudson's Bay Company (HBC) und der österreichische Karstadt-Eigner René Benko haben am Dienstag eine Absichtserklärung unterzeichnet, wie die "Wirtschaftswoche" berichtet. Sie sehe vor, Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport in ein Joint Venture einzubringen. Dies wurde der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch aus Verhandlungskreisen bestätigt.

Dem Bericht der "Wirtschaftswoche" zufolge trägt die Erklärung den Titel "Vereinbarung zu einer Fusion unter Gleichen im europäischen Warenhaus-Geschäft". Danach könnte Benkos Firma Signa etwas mehr als die Hälfte der Anteile am Gemeinschaftsunternehmen bekommen und das operative Geschäft führen. Welche Auswirkungen der Zusammenschluss für die Mitarbeiter der beiden Ketten hätte, sei bislang nicht genau geklärt. Verwaltung und Einkauf sollten zusammengelegt werden. Die Schließung von Filialen in großem Stil stehe nicht zur Debatte. Weder HBC noch Signa wollten demnach Fragen zu dem Geschäft beantworten.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Eigentümer beider Ketten erneut über eine Zusammenarbeit sprechen. Karstadt-Eigentümer Benko liebäugelt seit Jahren damit, auch den Kaufhof in sein Warenhausimperium zu integrieren und durch den Zusammenschluss der Rivalen eine "Deutsche Warenhaus AG" zu schaffen. Doch seine Anläufe zur Übernahme von Kaufhof waren in den vergangenen Jahren immer wieder gescheitert. Erst vor wenigen Monaten hatte HBC ein drei Milliarden Euro schweres Kaufangebot des Österreichers für den Kaufhof und ein damit verbundenes Immobilienpaket abgelehnt.

Beide Warenhausketten leiden seit Jahren unter dem Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando. Verschärft wurde die Situation durch Managementfehler.

Besonders kritisch ist die Situation zurzeit bei Kaufhof. Der Kölner Handelsriese kämpft seit der Übernahme durch die Kanadier Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Kaufhof-Chef Roland Neuwald verhandelt deshalb zurzeit mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag, der die Kosten des Unternehmens um einen Millionenbetrag senken soll.

Doch auch Karstadt hat nach einer harten Sanierung gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Im vergangenen Geschäftsjahr wies der Konzern bei weiterhin leicht rückläufigen Umsätzen erstmals seit zwölf Jahren unter dem Strich wieder einen bescheidenen Jahresüberschuss von 1,4 Millionen Euro aus.

In den Verhandlungen um die Fusion von Karstadt und Kaufhof stehen die wenigsten Filialen zur Disposition. "Drei bis fünf Standorte würden bei einem Zusammengehen vermutlich geschlossen", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Karstadt sei daran interessiert so viele Kaufhäuser wie möglich zu erhalten und in die Profitabilität zu führen. Kaufhof betreibt in Deutschland derzeit 96 Warenhäuser, Karstadt 82.

Verdi fordert Eigentümer-Stellungnahme 

Zum möglichen Zusammengehen der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof fordert die Gewerkschaft Verdi eine Stellungnahme der Eigentümer. "Es macht wenig Sinn zu spekulieren, was das alles für Auswirkungen haben könnte", sagte der Landesfachbereichsleiter von Verdi Baden-Württemberg, Bernhard Franke, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die bereits begonnenen Gespräche über einen Sanierungstarifvertrag bei Kaufhof könnten nicht vorankommen, wenn die Rahmenbedingungen für das Unternehmen völlig unklar seien.

"Es sind immer noch viele Fragezeichen da", kritisierte er die Informationsgebung durch die Eigentümerseite. Die Gewerkschaft strebe rasche Gespräche an. "Sobald die Eignerseite ihre Angelegenheit geklärt hat, werden wir in Gespräche eintreten, um Regelungen zu finden, die die Interessen der Beschäftigten von beiden Unternehmen wahren", unterstrich Franke, der Verdi-Verhandlungsführer für einen Sanierungstarifvertrag bei Kaufhof ist. Bei den beiden großen Warenhausketten in Deutschland - Kaufhof und Karstadt - seien insgesamt mehrere Zehntausend Mitarbeiter beschäftigt.