Wirtschaft

Wettbewerb Übernahme von Grünem Punkt vor dem Aus

Kartellamt bremst Remondis

Bonn.Das Bundeskartellamt schiebt der umstrittenen Übernahme des Grünen Punktes durch den Abfallriesen Remondis sehr wahrscheinlich einen Riegel vor. Die Behörde teilte gestern mit, dass sie den Kauf der Firma DSD – des Rechteinhabers am Recyclingzeichen Grüner Punkt – untersagen wolle. „Nach vorläufiger Bewertung würde die Übernahme von DSD durch Remondis zu einer Behinderung des Wettbewerbs bei den dualen Systemen in Deutschland führen“, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. „Zu befürchten wären höhere Kosten für DSD-Wettbewerber, erhebliche Marktanteilsgewinne von DSD und letztlich höhere Preise auf dem Markt für duale Systeme.“

Aufträge aus einer Hand

Remondis aus Lünen bei Dortmund und die Kölner Firma DSD haben nun zwei Wochen Zeit zu Stellungnahmen. Ganz vom Tisch ist das Thema also noch nicht – die Beteiligten könnten die Wettbewerbshüter mit guten Argumenten doch noch überzeugen. Mitte Mai dürfte das Kartellamt seine finale Entscheidung bekanntgeben.

DSD steht für Duales System Deutschland. Bisher ist eine britische Investorengruppe Eigentümer. Die Firma organisiert die Abholung, Sortierung und Verwertung von Abfall in Deutschland. Das Geld dafür bekommt sie von „Inverkehrbringern“ von Verpackungen, also von Herstellern, Händlern und Importeuren von Waren. Die Aufträge wiederum vergibt DSD an Müllabfuhren und andere Abfallfirmen, unter anderem an Remondis. Nach der Übernahme müsste DSD Abholaufträge zwar weiter ausschreiben, Aufträge zur Sortierung und Verwertung könnten aber direkt an die Konzernmutter vergeben werden.

Diesen Punkt sehen die Kartellwächter kritisch. DSD habe einen hohen Zugriff auf die Verpackungsmengen, die „das fusionierte Unternehmen zur weiteren Verarbeitung in Remondis-Anlagen umleiten und verbleibende Unteraufträge an Wettbewerber strategisch einsetzen“ könnte, heißt es in der Mitteilung der Behörde. Soll heißen: DSD würde vermutlich nach dem Gusto von Remondis agieren. dpa