Wirtschaft

Handel Gewerkschaft Verdi stimmt Verhandlungen über Sanierungstarifvertrag zu / Unternehmen verlangt Zugeständnisse beim Lohn

Kaufhof-Belegschaft drohen Einbußen

Köln.Die Warenhauskette Kaufhof hat Probleme – und die rund 18 000 Beschäftigten sollen deshalb Opfer bringen. Auf Drängen der Kaufhof-Geschäftsführung hat sich die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi gestern grundsätzlich bereit erklärt, über einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung zu verhandeln. Ein Schritt, der für die Kaufhof-Beschäftigen am Ende mit ziemlicher Sicherheit Lohneinbußen bedeuten dürfte.

Wie geht es dem Unternehmen Kaufhof?

Schlecht. Der traditionsreiche Warenhauskonzern steckt in der Krise. Die Umsätze schrumpfen. Das Unternehmen schreibt rote Zahlen. Wie hoch genau der Verlust ist, darüber schweigt sich der kanadische Mutterkonzern HBC allerdings aus.

Warum laufen die Geschäfte so schlecht?

Das hat viele Gründe. Kaufhof leidet wie fast alle innerstädtischen Modeanbieter unter der wachsenden Konkurrenz von Online-Anbietern wie Zalando und unter der sinkenden Kundenfrequenz in den Innenstädten. Aber verschärft wird die Situation bei der Warenhauskette nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi noch durch Managementfehler – etwa überzogenen Rabattaktionen – und dadurch, dass der Mutterkonzern HBC kurz nach der Kaufhof-Übernahme die Mieten für die Warenhäuser deutlich erhöht hat.

Ist der Fortbestand des Unternehmens gefährdet?

Akut wohl nicht, glaubt man den Aussagen des Unternehmens. Doch warnte die Konzernspitze in einer Präsentation für die Gewerkschaft Verdi vor den mittel- und langfristigen Konsequenzen eines „Weiter so“: „Ohne Gegenmaßnahmen droht die Zahlungsunfähigkeit.“

Welche Zugeständnisse verlangt das Unternehmen von der Belegschaft?

Kaufhof hat bereits angekündigt, die Zahl der Mitarbeiter in der Kölner Zentrale sozialverträglich von 1600 auf 1200 zu reduzieren. Darüber hinaus will der Kaufhof-Chef jährliche Einsparungen bei den Personalkosten im hohen zweistelligen Millionenbereich. Denkbar wären etwa Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld, aber auch der Verzicht auf Gehaltserhöhungen. Im Gegenzug bietet Kaufhof Beschäftigungsgarantien.

Was sagen die Arbeitnehmer dazu?

Vor dem Einstieg in die Tarifgespräche will Verdi erst einmal gemeinsame Eckpunkte mit dem Unternehmen vereinbaren. Das von Kaufhof vorgelegte Sanierungskonzept habe zwar richtige Ansätze, doch gebe es eine Schieflage zulasten der Arbeitnehmer. „Den Arbeitnehmern einseitig in die Taschen zu greifen, ist keinesfalls akzeptabel“, betonte Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke. Die Eigentümer seien in der Pflicht, ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Hat Verdi eine starke Verhandlungsposition?

Nicht unbedingt. Denn die Gewerkschaft ist in einer schwierigen Situation. Der von der Kaufhof-Führung angestrebte Tarifvertrag wäre für die Beschäftigten zwar mit Lohneinbußen verbunden, aber die Arbeitsplätze wären dann wohl erst einmal sicher. Ohne eine Einigung sind weitere Stellenstreichungen dagegen wahrscheinlich. Um nicht über den Tisch gezogen zu werden, hat Verdi in den vergangenen Monaten die Bilanz der Kaufhauskette von einem Wirtschaftsprüfer durchleuchten lassen.

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