Wirtschaft

Handel Investor des Mannheimer Traditionsvereins soll ab 6. Juni Aufsichtsrat der angeschlagenen Warenhaus-Kette leiten

Kaufhof will Waldhof-Investor

Mannheim.Den richtigen Riecher hatte Bernd Beetz, Investor und Mäzen des SV Waldhof Mannheim, schon oft in seinem Leben. 2001 zum Beispiel, als er sich auf den Chefsessel des Parfümherstellers Coty setzte. Der US-Konzern war damals in schwierigem Fahrwasser, die Strategie und Identität der Marke stimmten nicht. Dann kam Beetz und riss das Ruder herum. Die Umsätze vervielfachten sich während seiner Amtszeit.

Nun soll Beetz dabei helfen, die angeschlagene Warenhauskette Galeria Kaufhof wieder auf Kurs zu bringen. Gestern gab das Unternehmen bekannt, dass der gebürtige Sinsheimer neuer Chef des Aufsichtsrats werden soll. In der nächsten Sitzung am 6. Juni wird er als Vorsitzender des Kontrollgremiums vorgeschlagen.

Trendwende bis 2020

Der Kölner Konzern Kaufhof steckt in jener Krise, die auch die Warenhauskette Karstadt traf. Das Geschäftsmodell eines Kaufhauses, in dessen Regalen alles Mögliche zu finden ist, gilt als nicht mehr zeitgemäß – nicht zuletzt wegen des Internetgeschäfts. Kaufhof kämpft mit Umsatzrückgängen, schreibt rote Zahlen. 2015 kaufte die kanadische Hudson’s Bay Company den Traditionskonzern der Metro-Gruppe ab – eine Verbesserung der Geschäfte zeichnet sich unter dem neuen Mutterkonzern jedoch nicht ab. Kaufhof-Chef Roland Neuwald kündigte kürzlich eine Trendwende bis 2020 an. Beetz solle als erfahrener Handelsexperte „den eingeleiteten Sanierungs- und Transformationsprozess des Unternehmens überwachen“, teilte das Unternehmen gestern mit.

Beetz, geboren 1950, kennt sich vor allem beim Handel mit Schönheits- und Hygieneartikeln aus. 1969 begann er ein Betriebswirtschaftsstudium in Mannheim. Seine Karriere startete er vor 26 Jahren beim Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, zu dem unter anderem die Marken Braun und Gillette gehören. Beetz übernahm die Führung mehrere Standorte in Europa und machte sich mit der Wiederbelebung des Türkei-Geschäfts einen Namen. Später wurde die Ludwigshafener Milliardärsfamilie Reimann auf Beetz aufmerksam. Die Reimanns sind Inhaber des Holdingunternehmens JAB, welches 1992 den Parfümhersteller Coty kaufte. Beetz stellte Coty global auf. Er setzte auf Düfte, die die Namen von Stars und Sternchen tragen: Beyoncé oder Jennifer Lopez. Eine Strategie, die sich auszahlte. Seit 2012 ist Beetz vor allem als Investor tätig.

Umstrittene Entscheidung

Seinen unternehmerischen Erfolg versucht er auf den Mannheimer Traditionsverein SV Waldhof zu übertragen. 2016 trat er vor die Mitglieder des Vereins und stellte sich als neuer Investor vor. Eine Ankündigung, die für heftigen Streit im Verein sorgte. Kritiker warfen dem Präsidium damals einen Alleingang bei der Auswahl des Geldgebers vor.

Beetz zeigt sich zuversichtlich, was die Zukunft der Kaufhauskette angeht. Er freue sich auf die Möglichkeit, Galeria Kaufhof künftig wieder erfolgreich zu machen, „denn ich glaube fest an die Zukunftsfähigkeit dieses traditionsreichen Warenhauses“, lässt er über das Unternehmen mitteilen. Anfragen nach einem persönlichen Gespräch ließ Beetz gestern unbeantwortet.