Wirtschaft

Keine Zeit für Spielchen

Archivartikel

Die Bilder sind herzzerreißend. Ein Seepferdchen hat sich um einen Plastik-Trinkhalm gewickelt, weil das Tier den Stab für eine Pflanze hielt. In unseren Meeren sind längst neue Kontinente entstanden – aus Kunststoffabfall. Von solchen Fotos, die es aus allen Teilen der Welt gibt, lassen wir uns zwar berühren. Aber die eigentlich naheliegende Frage drang bisher zu wenig durch: Welche Folgen hat die langsame Rückkehr des Plastiks in unsere Nahrungskette für uns?

Der Vorstoß der EU-Kommission kommt spät, er ist überfällig. Weil unsere Plastikkultur längst wichtige Lebensräume unserer Umwelt ruiniert. Und dennoch bricht bereits ein Glaubensstreit darüber aus, ob es sinnvoll ist, die Herstellung bestimmter Produkte aus Kunststoffen zu verbieten – oder ob es nicht besser wäre, auf die Einsicht von Verbrauchern und Herstellern zu hoffen.

Nein, das ist kein Weg. Den Glauben an die Vernunft der Menschen muss verlieren, wer sieht, wie die, die sich nicht bevormunden lassen wollen, unsere Strände hinterlassen. Die Produkte, die die Kommission nun zügig aus dem Verkehr ziehen lassen will, stellen 70 Prozent unseres Abfalls an den Meeren, bevor sie genau dort landen. Es bleibt zu hoffen, dass das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten, die den Vorschlag nun noch beschließen müssen, nicht verwässern oder verschleppen. Unsere Meere und unsere Gesundheit haben keine Zeit mehr für solche Spielchen.