Wirtschaft

Ernährung Bündnis von Medizinern und Verbraucherschützern fordert Politik zu Maßnahmen gegen Übergewicht auf

Kinderärzte wollen Zuckersteuer

Archivartikel

Berlin.Der Mediziner und TV-Promi Eckart von Hirschhausen, mehr als 2000 seiner Ärzte-Kollegen, die Deutsche Diabetes Gesellschaft, die Verbraucherorganisation Foodwatch sowie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordern jetzt eine Zuckersteuer. Die Steuer soll zum Beispiel für Cola und andere gesüßte Getränke gelten.

„Bitte machen Sie ernst“

Außerdem pochen sie auf Standards für gesünderes Essen in Schulen und Kitas, Werbeverbote für Kinderprodukte wie Schokoriegel und eine verständliche Kennzeichnung von Lebensmitteln. In einem offenen Brief haben sie gestern die „sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin“, Minister und Parteichefs aufgerufen: „Bitte machen Sie ernst mit der Vorbeugung gegen Fettleibigkeit, Diabetes und andere chronische Krankheiten.“ Appelle dieser Art gab es schon häufiger, aber noch nie schlug ein so breites Bündnis Alarm.

Die Verfasser des Briefs berufen sich auf Zahlen des Robert-Koch-Instituts. 15 Prozent aller, die heute im Alter zwischen drei und 17 Jahren sind, leiden an Übergewicht oder Fettleibigkeit. Im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren hat damit der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher um 50 Prozent zugenommen, der Anteil fettleibiger sich sogar verdoppelt.

Hirschhausen hat gerade für seine TV-Sendung Kinder in den Supermarkt geschickt. Sie sollten Lebensmittel kaufen, die extra für Kinder angeboten werden. Die seien mit einem Einkaufswagen voller Lebensmittel zurückgekommen, die zumeist der Kategorie Süßigkeiten zuzuordnen gewesen seien, erzählt von Hirschhausen. „Die Kalorien hätten ausgereicht, um ein Kind drei Wochen zu ernähren, allerdings schlecht.“ Oliver Huizinga von Foodwatch erklärt: „Die Gewinnmarge bei Süßigkeiten ist dreimal so hoch wie bei Obst und Gemüse.“ Nicht der Wirtschaft sei ein Vorwurf zu machen, dass sie diese Gewinne machen wolle. Die Regierung dürfe das aber nicht so laufen lassen.

Zwar versprechen immer mehr Einzelhändler, die Rezepturen ihrer Waren zu verändern und den Zuckergehalt in den nächsten Jahren zu mindern, doch bleibt das alles freiwillig. Südzucker, Europas größter Zuckerhersteller aus Mannheim, lehnt eine Zuckersteuer ab. „Wir müssen endlich von der Diskussion um einzelne Lebensmittelzutaten zu einer Kaloriendiskussion kommen“, hatte Vorstandschef Wolfgang Heer zuletzt in einem Zeitungsinterview gesagt. Wer mehr Kalorien zu sich nehme, als er verbrauche, lege an Gewicht zu – aber das gelte nicht nur für Zucker.

Andere Länder nehmen längst die Hersteller in die Pflicht. Jüngstes Beispiel ist Großbritannien. Dort gibt es schon seit Anfang April dieses Jahres eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. (mit jung)

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