Wirtschaft

Infinus-Prozess Haftstrafen für fünf ehemalige Manager

Klassischer Fall eines „Schneeballsystems“

Dresden.Viereinhalb Jahre nach dem Aus des Dresdner Finanzdienstleisters Infinus sind gestern fünf ehemalige Manager zu Freiheitsstrafen zwischen acht Jahren sowie fünf Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts sprach sie des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in Tateinheit mit Kapitalanlagebetrug schuldig. Gegen einen weiteren Angeklagten verhängten die Richter viereinhalb Jahre wegen Beihilfe.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass die Männer ein „Schneeballsystem“ betrieben und Anleger bewusst täuschten. In einem der größten Wirtschaftsstrafverfahren Deutschlands geht es laut Anklage um etwa 22 000 Anleger und rund 312 Millionen Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Verteidiger hatten im Vorfeld eine Überprüfung angekündigt. Bei einem „Schneeballsystem“ werden neue Anleger angeworben, um Versprechen gegenüber bisherigen Anlegern erfüllen zu können.

Infinus sei bis zuletzt eine „nach außen brillierende, nach innen aber brüchige“ und wohl nicht dauerhafte Erfolgsgeschichte gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Hans Schlüter-Staats. „Tatsächlich gab es überhaupt kein echtes Geschäft zum Zweck der Renditegewinnung.“ Bei Infinus habe es sich um ein wirtschaftlich eng verwobenes, kaum durchschaubares Geflecht von Firmen gehandelt, die untereinander Geschäfte machten. „Der Schneeballeffekt ist nicht nur ein Risiko“, erklärte der Vorsitzende. „Jeder, der es weiterhin betreibt, wird zum Betrüger, weil er weiß, dass der Schaden umso größer ist, je länger es läuft.“

Luftgeschäfte abgeschlossen

Nach Überzeugung der Richter schlossen die 22 Gesellschaften untereinander Luftgeschäfte ab. Es seien Gewinne generiert worden, die nur auf dem Papier existierten, erklärte Schlüter-Staats. Gegenüber den Vermittlern und Anlegern sei ein funktionierendes Geschäftsmodell dargestellt worden, das es nicht gab. Tatsächlich seien Orderschuldverschreibungen und Nachrangdarlehen mit zu hohen Renditeversprechen gehandelt worden, die nur mit dem Geld von zusätzlichen Anlegern hätten bedient werden können.

Der „Schneeballeffekt“ habe sich verstärkt, da immer neue Eigenverträge abgeschlossen werden mussten, um in der Gewinnzone zu bleiben. Das Unternehmen hätte auch ohne das Einschreiten der Staatsanwaltschaft nicht überlebt, sagte Schlüter-Staats. dpa

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