Wirtschaft

Paketdienste Branche erwägt Aufschlag bei Lieferungen an die Haustür /„Letzten Meile“ ist für Unternehmen am teuersten

Klingeln soll bald extra kosten

Archivartikel

Bonn.Wer in Deutschland ein Paket nach Hause bestellt, könnte dafür auf lange Sicht generell mehr bezahlen müssen. So rechnen die Paketdienste DPD und Hermes damit, dass Haustür-Bestellungen künftig standardmäßig teurer sind als Lieferungen an Paketshops oder Paketstationen. „Wir erwarten, dass sich die Haustürzustellung branchenweit zu einem höherpreisigen Premiumservice entwickelt“, sagte ein Sprecher von DPD, der Deutschland-Tochter der

französischen Post. Wettbewerber GLS hat einen ähnlichen Standpunkt. Teilweise haben die Firmen bereits in Verträgen mit Online-Händlern Preisunterschiede festgeschrieben, der Regelfall ist das aber nicht.

Eine Sprecherin von Hermes sagte: „Wir müssen uns [...] überlegen, inwieweit eine Haustürzustellung als Standardleistung langfristig tragbar ist.“ Sie verwies auf Länder wie Schweden, wo diese Belieferung schon seit langem standardmäßig extra koste. Hermes und DPD gewähren Online-Händlern bereits Rabatte, wenn deren Kunden an Paketshops und Paketstationen gehen und nicht an die Haustür.

Besonders zeitintensiv

Es ist bekannt, dass einige dieser Händler die Preisunterschiede an Kunden weiterreichen. Auf lange Sicht könnte dies zum Regelfall werden. Es geht um die „letzte Meile“, also den letzten Abschnitt bis zur Paketübergabe – dieser ist besonders zeitintensiv und teuer für die Dienstleister. „Auf der letzten Meile entstehen 50 Prozent der Kosten bei der Paketlieferung“, sagt der Logistik-Professor Kai-Oliver Schocke von der Frankfurt University of Applied Sciences. „Da kann ein Paketdienstleister viel falsch machen – hier entscheidet sich, ob er Erfolg hat oder nicht.“

Wenig zufrieden ist beispielsweise Anne Putz vom Paketdienst GLS, einer Tochter der britischen Royal Mail. „Die Situation auf der letzten Meile hat sich zugespitzt“, sagt sie. Grund: der Boom im Online-Handel – die Bestellmengen stiegen so stark, dass man an Kapazitätsgrenzen komme. Der Fahrermangel, steigende Kosten und andere Faktoren beeinflussten die letzte Meile so, „dass die Produktivität darunter leidet“.

Alle Paketdienstleister wollen ihre letzte Meile verbessern – ob Marktführer Deutsche Post DHL, ob Hermes, DPD oder GLS. Ihre Probleme sind ähnlich: Sie suchen händeringend Fahrer, um die steigende Nachfrage decken zu können. Außerdem müssen die Firmen verstärkt auf E-Mobilität setzen, um Klimavorgaben zu erfüllen – hierbei ist die Deutsche Post mit mehr als 9000 Streetscootern gut unterwegs.

Wirtschaftliche Lage angespannt

Alle Dienstleister ärgern sich über Staus und Parkplatzmangel – entweder ihre Transporter müssen in der zweiten Reihe parken oder ihre Fahrer müssen weit laufen mit den Kartons im Gepäck. Dann öffnet häufig niemand die Tür. Also müssen sie beim Nachbarn oder anderswo ihr Glück versuchen. Das kostet Zeit und Geld – und der Berg an Paketen wird währendessen nicht kleiner.

Die wirtschaftliche Situation ist angespannt, das verdeutlichen auch Probleme des Marktführers: Die Deutsche Post DHL musste im vergangenen Sommer eine Gewinnwarnung verkünden wegen Problemen im Brief- und Paketgeschäft. An diesem Donnerstag stellt Post-Chef Frank Appel die Bilanz für 2018 vor – und dürfte sich auch zum Paketmarkt äußern. Wie die Wettbewerber auch setzt der Konzern auf umfassende Investitionen, etwa um das Paketshop-Netz auszubauen.

Beim privaten Paketversand sind Preisunterschiede bei Hermes und DPD schon jetzt üblich. Wenn man also eine Sendung aufgibt in einem Paketshop und diese an einen anderen Paketshop verschickt und nicht an eine Privatadresse, ist das billiger. Wenn man im Internet bestellt, ist der Preisunterschied hingegen noch nicht Standard.

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