Wirtschaft

Studie Wohnungsangebot auf dem Land teilweise üppig, in den Metropolen vielfach zu gering / Region spiegelt Bundestrend wider

„Kommt mit dem Bauen nicht hinterher“

Archivartikel

Köln/MAnnheim.Ob Mannheim, Karlsruhe, Freiburg oder Stuttgart: In Baden-Württembergs größten Städten werden einer Studie zufolge deutlich weniger Wohnungen gebaut als benötigt. Anders sieht es laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in ländlichen Regionen wie etwa dem Neckar-Odenwald- oder dem Main-Tauber-Kreis aus – hier wird der Bedarf sogar übererfüllt. Die Autoren verglichen für ihre Berechnungen die Zahl der in den vergangenen drei Jahren fertiggestellten Wohnungen mit dem Bedarf, den sie anhand von Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung und Leerständen schätzten.

Bedarf knapp zur Hälfte gedeckt

Freiburg ist nach Angaben des IW Schlusslicht im Südwesten – nur etwa zwei Fünftel des Bedarfs werden hier vom Wohnungsbau gedeckt. Karlsruhe landet laut IW auf dem vorletzten Platz im Südwesten: Der Wohnungsbau deckt hier demnach 48 Prozent des Bedarfs. Hier denkt man darüber nach, ob Hochhäuser für Entspannung sorgen könnten. Auch in Mannheim und Stuttgart ist die Lage nach wie vor angespannt. Hier werden laut IW nur 55 und 56 Prozent des Bedarfs gedeckt.

Auch wer in deutschen Metropolen ein neues Zuhause sucht, hat häufig keine allzu guten Karten. Am schlechtesten sah es zuletzt in Köln aus, wo der Bedarf an Neubauwohnungen seit 2016 nicht mal zur Hälfte gedeckt werden konnte (46 Prozent). „Insgesamt besteht in den Metropolen ein gravierender Wohnungsmangel“, schreiben die Autoren Ralph Henger und Michael Voigtländer.

Gründe für die Misere sind der hohe Zuzug in die Städte, das knappe Personal in Bauämtern, strenge Vorschriften und der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft. „Man kommt mit dem Bauen nicht hinterher“, sagt Studienautor Henger. Die Städte müssten sich anstrengen, um die Mietenentwicklung zu bremsen, mahnen die Autoren. Entscheidend sei die Bereitstellung von Bauland, um Investoren anzulocken.

Ganz anders sieht es auf dem Land aus: Dort wird mancherorts zu viel neu gebaut. „Obwohl es auf dem Land viel Leerstand gibt, entstehen relativ viele Neubauten, die bevorzugt werden, obwohl Umbauten im Altbestand vielerorts sinnvoller sind“, sagte Studienautor Henger. Durch Neubaugebiete vor den Türen von Kleinstädten verlieren Stadt- und Dorfzentren an Bedeutung und das Leerstand-Problem verschärfe sich da. Der Grundsatz „Umbau vor Neubau“ sei hier wichtig. In einem Drittel der deutschen Kreise sollte „die Bautätigkeit im Neubau gebremst werden, um ein Überangebot zu vermeiden“, heißt es.

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