Wirtschaft

Kontrolle ist besser

Manche Dinge passieren nicht von selbst. Man muss darum kämpfen. Und es braucht Gesetze, auch künftig. Ein Beispiel dafür ist der verpflichtende Mindestlohn für Beschäftigte in bundesdeutschen Firmen. Viele Arbeitnehmer erhalten ihn bereits – ein großer Fortschritt. Aber viele eben auch nicht. Etwa 2,5 Millionen Erwerbstätige, die eigentlich einen Anspruch auf bessere Bezahlung haben, kommen nicht in ihren Genuss, ermittelte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Dafür mag es nachvollziehbare, individuelle Gründe geben. Nicht wegen jeder Stunde Mehrarbeit will man sich mit Nachforderungen bei den Vorgesetzten unbeliebt machen. Und manches muss sich einschleifen. Doch mancher Chef hört den Schuss wohl erst, wenn die Kontrolleure vom Zoll vor der Tür stehen. Und deren Erfahrungsberichte darf man nicht ignorieren.

Nicht wenige Firmeninhaber suchen trickreich Umwege, um ihren Beschäftigten den vollen Lohn vorzuenthalten. Da helfen nur mehr Kontrollen und vielleicht auch ausgeweitete Be-richtspflichten für die Unternehmen. Listen über die Arbeitszeit der Angestellten zu führen, mag lästig sein, es erweist sich aber als nötig. Gut, dass sich der Wirtschaftsflügel der Union und die FDP bei den Jamaika-Sondierungen mit ihrer Forderung nach weniger Bürokratie nicht durchsetzen konnten. Sollte es zur abermaligen großen Koalition kommen, wären bessere Kontrollen des Mindestlohns ein Punkt auf der Vorhabenliste der neuen Regierung.