Wirtschaft

Thyssenkrupp Noch fehlt Nachfolger von Heinrich Hiesinger

Konzern steht vor ungewisser Zukunft

Archivartikel

Essen.Der Abgang von Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger kam überraschend – und ging gestern eher schnell und geräuschlos über die Bühne. Nach dem Rückzug des Top-Managers kommt der Essener Industriekonzern aber nicht zur Ruhe und steuert auf eine ungewisse Zukunft zu. Zumal offen bleibt, wer den Dax-Konzern künftig führen wird. Nicht einmal ein Übergangs-chef wurde installiert.

Aufsichtsratschef Ulrich Lehner kündigte nach einer Sitzung des Kontrollgremiums gestern in Essen zwar entschlossen an, das Unternehmen werde „auf Kurs“ bleiben. Doch aus dem Kreis der Aktionäre werden Forderungen nach einem Radikalumbau lauter. Was die Arbeitnehmer auf den Plan ruft. Die warnen vor einer Zerschlagung, an der Börse wird aber schon auf einen Strategiewechsel gesetzt.

Ohne Vorstandschef

Vor allem der Großaktionär Cevian aus Schweden hatte das Vorgehen Hiesingers immer wieder kritisiert und die Strategie des Managers für gescheitert erklärt. Den Forderungen nach einer Zerschlagung hatte Hiesinger beharrlich Absagen erteilt. Auch Betriebsratschef Wilhelm Segerath warnte eindringlich vor einem Ausverkauf auf Druck von Anteilseignern. Er sehe die Gefahr, dass der Rest des Konzerns von Finanzinvestoren zerschlagen wird.

Ein Nachfolger für den 58-jährigen Konzernchef, der sich gestern mit dem Aufsichtsrat über sein Ausscheiden einigte, steht aber noch nicht fest. Der soll nun in einem „strukturierten Prozess“ gefunden werden. Wie lange dieser Prozess dauern könnte, wollte ein Sprecher nicht sagen. Bis dahin soll der mitten im Umbau steckende Ruhrkonzern ohne Vorstandschef bleiben und von den bisherigen Vorständen Guido Kerkhoff, Oliver Burkhard und Donatus Kaufmann geführt werden.

An der Börse legte der Kurs von Thyssenkrupp teils kräftig um mehr als zwei Prozent zu – bis gestern Nachmittag lag das Plus noch bei gut 1,8 Prozent. Angetrieben von der Hoffnung auf einen Strategiewechsel. Seit rund zwei Jahren dümpelt die Thyssenkrupp-Aktie zwischen 20 und 27 Euro vor sich hin. Nach dem Einbruch der Stahlpreise konnte sie sich dank der Lösung für das europäische Stahlgeschäft etwas erholen. Da es dann kaum voranging, blieben die Anleger vorsichtig. dpa