Wirtschaft

Thyssenkrupp Stahlfusion laut Unternehmen wegen Veto aus Brüssel geplatzt / Geplante Aufspaltung abgesagt

Konzernumbau gescheitert

Essen.Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat bei der Sanierung des Industriekonzerns einen schweren Rückschlag erlitten. Die weit vorangetriebene Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata sei „am Widerstand der Europäischen Kommission gescheitert“, sagte Kerkhoff gestern. In den kommenden drei Jahren will der Essener Konzern jetzt 6000 Stellen streichen, 4000 mehr als bisher geplant. Entlassungen schließt er nicht aus.

Die Börse jubelt

Wegen des erwarteten Vetos aus Brüssel sagte Kerkhoff auch die geplante Aufspaltung von Thyssenkrupp in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen für Werkstoffe und für Industriegüter ab. „Der Konzern bleibt als Ganzes erhalten“, kündigte er an. Um neues Geld in die Kasse zu bekommen, will Kerkhoff jetzt die profitable Aufzugssparte an die Börse bringen. Das hatten Investoren immer wieder gefordert. An der Börse kam die Ankündigung gut an. Der Aktienkurs des Dax-Unternehmens legte zeitweise um mehr als 20 Prozent zu.

Die Fusion galt als ein Kernstück des geplanten Konzernumbaus. Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern entstanden. Thyssenkrupp wollte so die Abhängigkeit vom schwankenden Stahlgeschäft verringern.

Für die rund 27 000 Mitarbeiter von Thyssenkrupp beim Stahl sei das Veto der EU-Kommission „ein harter Schlag“, sagte Kerkhoff. Ihnen hätte die Fusion mit Tata „eine Zukunftsperspektive gegeben“. Die IG Metall hatte eine Beschäftigungsgarantie bis Oktober 2026 erreicht. Dieser Tarifvertrag werde jetzt nicht in Kraft treten, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. Betriebsbedingte Kündigungen könnten nicht ausgeschlossen werden. Von den 6000 Stellen sollen 4000 in Deutschland abgebaut werden. Weltweit hat der Konzern rund 160 000 Mitarbeiter.

Die IG Metall forderte auch unter den neuen Bedingungen „langfristige Sicherheiten“ für die Beschäftigten. Einnahmen aus dem Börsengang der Aufzugssparte dürften nicht an die Aktionäre ausgeschüttet werden, sagte der nordrhein-westfälische Bezirksleiter Knut Giesler. Das Geld müsse für die Stabilisierung des Konzerns eingesetzt werden. Thyssenkrupp will eine Mehrheitsbeteiligung an der Aufzugssparte halten.

Die Lage von Thyssenkrupp hatte sich zuletzt deutlich verschlechtert. Der Aktienkurs war seit Ende 2018 um 40 Prozent eingebrochen. Die Aufspaltung des Konzerns sei an der Börse immer mehr infrage gestellt worden, räumte Kerkhoff ein.

Schwache Zahlen in diesem Geschäftsjahr und eine wohl viel höher als erwartet ausfallende Kartellstrafe beim Stahl kämen hinzu. Unter diesen Rahmenbedingungen sei die Teilung des Konzerns nicht mehr die beste Lösung. „Den von uns beabsichtigten Neustart bekommen wir so nicht mehr hin“, sagte Kerkhoff.

Die EU-Kommission wollte das Ganze nicht kommentieren. Ein Sprecher von Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte, der Fall sei noch nicht abgeschlossen.

Den Aufsichtsrat, in dem die Krupp-Stiftung und der schwedische Investor Cevian die größten Aktienpakete vertreten, sieht Kerkhoff auf seiner Seite. Cevian-Co-Chef Lars Förberg forderte, bei Thyssenkrupp sei eine fundamentale Neuausrichtung notwendig. Es dürfe „keine historischen oder politischen Tabus mehr geben“. Die Krupp-Stiftung versicherte, sie stehe „nach wie vor an der Seite des Unternehmens“.