Wirtschaft

ZEW Studie zu Darlehen der Europäischen Investitionsbank

Kredite am liebsten für die Heimat

Archivartikel

Mannheim.Bei der Vergabe von Krediten der mächtigen Europäischen Investitionsbank (EIB) spielt die Biografie der Führungsmitglieder eine große Rolle. Das hat eine Untersuchung des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ergeben. Demnach fließen Kredite für große Infrastrukturprojekte bevorzugt in eine Region, aus der ein oder mehrere der 29 Mitglieder des Verwaltungsrats des Luxemburger Instituts stammen. Die Wahrscheinlichkeit einer Kreditvergabe steigt dann um 17 Prozentpunkte, heißt es in der Studie. Andere Regionen, die nicht in der EIB vertreten sind, erhalten dagegen seltener Kredite. Das ZEW hat sämtliche EIB-Darlehen zwischen 1959 und 2015 ausgewertet und mit dem Werdegang der Verwaltungsmitglieder verglichen.

„Wir können nicht ausschließen, dass diese Vergabepraxis zu einer Fehlverteilung von Ressourcen und zu wirtschaftlicher Ineffizienz führt“, sagt Annika Havlik, Mitautorin der Studie. Auffallend ist es jedenfalls nach ihrer Darstellung, dass sich „in den begünstigten Regionen auffällig häufig der momentane oder zukünftige Arbeitsplatz eines EIB-Verwaltungsratsmitglieds befindet“.

77 Milliarden Euro pro Jahr

Steckt dahinter Vetterleswirtschaft? Die Wissenschaftlerin warnt davor, den Verwaltungsratsmitgliedern „zwangsläufig eigennützige Motive“ zu unterstellen. Es könne auch sein, dass sich die Mitglieder „schlichtweg aufgrund ihrer besonderen sozialen Verbundenheit“ zugunsten der eigenen Region entscheiden. Genauso gut könnte der exklusive Kenntnisstand über die lokalen Gegebenheiten in der Heimatregion ausschlaggebend sein. In diesem Fall hätten die für die Vergabe eines Kredits verantwortlichen Mitarbeiter größere Gewissheit, dass eine finanzielle Unterstützung durch die EU notwendig und daher gerechtfertigt sei.

Ein weiteres interessantes Ergebnis: Verwaltungsratsmitglieder, die ihren Arbeitsplatz während oder nach ihrer Tätigkeit bei der EIB in eine andere Region verlagert haben, vergeben gegen Ende ihrer Amtszeit vermehrt Kredite dorthin, wo sie ihren nächsten Job antreten. „Es ist schwer vorstellbar, dass hier ein Informationsvorteil vorliegt, weil die jeweiligen Verwaltungsratsmitglieder bis dato nicht mit der Region in Verbindung gestanden haben“, sagt Zareh Asatryan, ebenfalls Mitautor der ZEW-Studie.

Der EIB-Verwaltungsrat trifft die alleinige Entscheidung über die Vergabe von Darlehen. Da das Gremium nicht ständig tagt, handelt es sich um keinen Vollzeitjob. Die Luxemburger Investitionsbank gilt als das größte multilaterale Kreditinstitut der Welt. 1959 betrugen die jährlichen Mittel umgerechnet 34 Millionen Euro, 2015 sind sie auf rund 77 Milliarden Euro gestiegen.

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