Wirtschaft

Sparkassen in Baden-Württemberg Institute melden Wachstum während der Corona-Pandemie / Risikovorsorge gegen ausfallende Darlehen verdreifacht

Krise lässt Kreditnachfrage und Einlagen wachsen

Stuttgart.Bei den Sparkassen in Baden-Württemberg sind in den Monaten der Corona-Pandemie sowohl die Spareinlagen wie die Kreditvergaben stark gewachsen. Die Bürger hätten wegen geschlossener Läden und Gaststätten weniger Geld ausgeben können, erläuterte Sparkassenpräsident Peter Schneider. Auf der anderen Seite hätten sich viele Unternehmen über Kredite zusätzliche Liquidität verschafft.

Um 5,4 Prozent auf 150,7 Milliarden Euro sind die Sparguthaben bei den 51 Instituten im Südwesten von Januar bis Juni gewachsen. Die Privatleute alleine haben 6,2 Milliarden Euro zusätzlich auf die hohe Kante gelegt, fasst Schneider das erste Halbjahr 2020 zusammen. Gegenüber den ersten sechs Monaten 2019 ist das ein Plus von 5,8 Prozent.

Rekordwerte melden die Sparkassen auch bei den Kreditbeständen. Den Zuwachs bei den Privatkunden um 5,0 Prozent führt der Verbandspräsident vor allem auf den Wohnungsbau zurück: „Trotz der Corona-Krise entwickelt sich der Markt für Immobilienkredite weiterhin mit hohen Wachstumsraten.“ Selbst in den Hochzeiten der Pandemie, im März und April, wurden mehr Baufinanzierungen zugesagt als in den gleichen Monaten des Vorjahres. „Die Zahlen zeigen, dass es keinen Einbruch bei der Nachfrage gibt“, bilanziert Schneider.

„Wir haben gebunkert“

Besonders stark zugenommen haben die Darlehenszusagen der Sparkassen für Unternehmen. Im ersten Halbjahr 2020 stieg die Summe um fast 20 Prozent auf 8,0 Milliarden Euro. Es gehe um neue Kredite, die von den Förderbanken abgesichert wurden, und um Überbrückungsgelder bei finanziellen Notlagen, erläutert der Verbandschef.

Trotz der Ausweitung des Geschäfts rechnen die öffentlich-rechtlichen Institute durch Corona mit sinkenden Erträgen. Dies hat nach Schneiders Angaben vor allem mit der Risikovorsorge zu tun. Die 51 Häuser hätten zusammen 380 Millionen Euro zurückgestellt, um gegen ausfallende Kredite gewappnet zu sein. 2019 seien es nur 127 Millionen Euro gewesen. „Wir haben gebunkert“, betont er. Die Erhöhung der Risikovorsorge sei notwendig: „Wir brauchen Pulver im Turm.“

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind für Schneider derzeit noch schwer einschätzbar. Bisher seien im laufenden Jahr weniger Unternehmen Pleite gegangen als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Niemand könne allerdings sagen, wie viele Insolvenzen durch die Schutzvorgaben der Bundesregierung nur aufgeschoben seien. Schneider: „Die Wahrheit zeigt sich erst 2021 oder 2022. Ein zweiter Lockdown „würde sich verheerend auswirken“.

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