Wirtschaft

Halbjahresbilanz Einigung mit Finanzbehörden erzielt / Gut gefüllte Auftragsbücher

KSB hakt Steueraffäre nach Millionenzahlung ab

Frankenthal.Mit einer Zahlung von drei Millionen Euro an die Finanzbehörden ist für den Frankenthaler Pumpenkonzern KSB die Steueraffäre um verdeckte Gewinnausschüttungen zugunsten von Nachfahren der Gründerfamilie beendet. Auf diese Summe haben sich das Unternehmen und das Finanzamt in einer sogenannten tatsächlichen Verständigung geeinigt. "Unsererseits ist alles geregelt, die Zahlung ist auf dem Weg", sagte ein Konzernsprecher gestern.

Höhere Rückstellungen angesetzt

Auch gebe es seines Wissens keine Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in der Sache. Die Behörde machte gestern auf Nachfrage keine Angaben dazu und verwies auf das Steuergeheimnis. Wie aus dem gestern veröffentlichten Halbjahresbericht hervorgeht, hatte KSB Rückstellungen von sechs Millionen Euro für die Affäre eingeplant. Die Familie Kühborth, Nachfahren der KSB-Gründerfamilie, soll für eine Villa auf dem Firmengelände keine marktübliche Miete gezahlt haben. Auch die Gartenpflege sei unrechtmäßig von KSB übernommen worden, lautete ein weiterer Vorwurf.

Im operativen Geschäft meldete KSB für die erste Jahreshälfte gestern einen kräftigen Anstieg beim Auftragseingang von 7,6 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Zuwachs stammt nach Angaben des Sprechers aus Regionen außerhalb Europas. Darunter Pumpen für Kraftwerke in Dubai und Indien, für Raffinerien im Mittleren Osten und Nordafrika sowie Feststoffpumpen für Schwimmbagger in Hongkong. Hinzu kamen noch positive Währungseffekte aus Brasilien, Indien, Russland und Südafrika, die knapp ein Viertel der Zuwächse ausmachten.

Wegen des schwächeren Vorjahres betrug das Umsatzplus im Halbjahr 2,7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern legte auch dank eines Sparprogramms auf 52,7 Millionen Euro zu, mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts.

Die Zahl der Mitarbeiter ging weltweit und auch im Stammwerk in Frankenthal zurück, wo zuletzt 1814 Menschen beschäftigt waren, 44 weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: 2014 lag die Zahl der Beschäftigten in Frankenthal bei 1961. Die Rückgänge sind das Ergebnis eines Personalabbauprogramms, das mit Altersteilzeitregelungen und Vorruhestandsregelungen vonstattengeht. Betriebsbedingte Kündigungen gab es nicht.

Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet KSB einen Umsatz auf Vorjahreshöhe (2,15 Milliarden Euro) und einen Vorsteuergewinn, der erheblich über dem Wert von 2016 (74,6 Millionen Euro) liegt. Investiert wird vor allem in Indien (40 Millionen Euro), wo die Produktion in ein neues Werk verlagert und die Kapazitäten für Kraftwerkspumpen erweitert werden, sowie in Russland, wo ein neues Montagewerk entsteht.

Aus Frankenthal hat KSB zuletzt die Produktion von Kraftwerkspumpen nach China und Indien verlagert, wo noch Kohlekraftwerke gebaut werden. Am Stammsitz wird im Gegenzug eine Fertigung von Pumpen für die Öl- und Gasbranche aufgebaut. Die Branche schwächelt derzeit zwar, aber der Markt zieht nach Einschätzung von KSB wieder an.