Wirtschaft

Bundesverwaltungsgericht Richter stellen Tierschutz über wirtschaftliche Interessen, sehen aber keine Alternativen

Kükentöten bleibt vorerst zulässig

Leipzig.Das millionenfache Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht ist nur noch für eine Übergangszeit zulässig. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag entschieden. Mit seinem Urteil wertete das Gericht die Tierschutzbelange auf. Trotzdem darf das Töten vorerst weitergehen – bis den Brutbetrieben praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon im Hühnerei zur Verfügung stehen. Die Geflügelbranche begrüßte das Urteil. Tierschützern geht es dagegen nicht weit genug.

Tierschützer enttäuscht

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte, Alternativen zu der jahrzehntelang hingenommenen Praxis des Kükentötens gebe es bereits. Sie drängte darauf, das Massentöten männlicher Küken „so schnell wie möglich“ zu beenden. Ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung sei bereits auf dem Weg zur Serienreife. Zugleich hätten es aber auch die Verbraucher in der Hand, indem sie zu Eiern griffen, die ohne Kükentöten erzeugt wurden.

Aus Sicht der Bundesrichter reichen die von der Geflügelwirtschaft bislang angeführten wirtschaftlichen Gründe als Rechtfertigung für das Töten nicht mehr aus. Laut Tierschutzgesetz darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. „Die Belange des Tierschutzes wiegen schwerer als das wirtschaftliche Interesse der Brutbetriebe“, erklärte nun das Gericht. Dem Leben der männlichen Küken dürfe nicht von vornherein jeder Eigenwert abgesprochen werden.

Jedes Jahr werden in Deutschland laut Bundesagrarministerium rund 45 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet. Das Problem: Für die Eier-Produktion werden Legehennen gezüchtet. Die Rassen sind drauf getrimmt, viele Eier in kurzer Zeit zu legen. Männliche Tiere braucht man dagegen nicht. Weil man das Geschlecht mit den gängigen Methoden erst nach dem Schlüpfen erkennen konnte, werden die männlichen Küken vergast.

Tierschützer werteten die Gerichtsentscheidung als nicht weitgehend genug. Peta-Anwalt Christian Arleth kritisierte, dass das Gericht den Ball an die Politik zurückspiele und sich letztlich darauf verlasse, dass verbindliche Maßstäbe gesetzt würden. Der Deutsche Tierschutzbund beklagte, dass das Gericht keine Frist festgelegt habe: „Wir hätten uns ein sofortiges Verbot gewünscht.“

Zum Thema