Wirtschaft

Sparkassen Rekordwerte bei Krediten im Südwesten / Firmen geraten durch Lockdown in Schwierigkeiten

Kunden sparen in der Krise mehr

Archivartikel

Stuttgart.In der Pandemie haben die Kunden der Sparkassen in Baden-Württemberg so viel gespart wie noch nie. Die Einlagen bei den 50 Instituten stiegen letztes Jahr um fast acht Prozent auf 159 Milliarden Euro. Zugleich kommen mehr Unternehmen durch den aktuellen Lockdown in existenzielle Schwierigkeiten. Sparkassen-Präsident Peter Schneider sprach am Dienstag in Stuttgart von einer zweigeteilten Lage: „Während einige Kunden ums Überleben kämpfen und alle Rücklagen aufbrauchen, können zahlreiche Privatkunden ihr Geld nicht ausgeben.“

Die Privatkunden der Sparkassen im Südwesten haben letztes Jahracht Milliarden Euro zusätzlich auf die hohe Kante gelegt, so viel wie noch. Schneider nannte zwei Gründe: Die Menschen würden durch die Corona-Beschränkungen die Gelegenheiten zum Geldausgeben fehlen. Die Unsicherheit motiviere zusätzlich zum Sparen. Bei den Firmenkunden betrage das Plus bei den Einlagen sogar 15 Prozent. „Unternehmen sichern sich Liquidität und verschieben Investitionen auf die Zeit nach der Pandemie“, erläutert er.

Mit Sorge blickt Schneider auf die Unternehmen in der Corona-Krise. „Mit jedem Tag Lockdown kommen mehr Kunden in Schwierigkeiten“, betonte er. Die Lage der geschlossenen Geschäfte werde von Tag zu Tag dramatischer. Er erwartet eine wachsende Zahl von Pleiten, wenn die Insolvenzpflicht wieder in Kraft gesetzt wird: „Da zappelt noch mancher, der sonst früher hätte Insolvenz anmelden müssen.“ Die Krise zeigt sich auch bei den Kreditstundungen. 60 000 Privat- und Firmenkunden haben ihre Tilgung für mindestens drei Monate ausgesetzt.

Immobiliendarlehen gefragt

Die Kreditbestände haben mit 143 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert erreicht. Besonders stark sind die Immobilienkredite um 7,1 Prozent auf 75 Milliarden Euro gewachsen. „Die Zahlen zeigen, dass es 2020 trotz Corona-Krise bei den Immobilien keinen Einbruch der Nachfrage gegeben hat“, erklärte er. Bei den Firmenkrediten rechnet er im laufenden Jahr mit höheren Ausfällen. Die Risikovorsorge sei auf 220 Millionen Euro erhöht worden, so viel wie zuletzt 2010.

Beschleunigt hat die Pandemie den Trend, Bankgeschäfte über das Internet abzuwickeln. Anfang 2020 griffen 57 Prozent der Kunden auf ihre Konten zu, zwölf Monate später waren es bereits 65 Prozent. Die öffentlich-rechtlichen Institute haben mit der Schließung von weiteren 23 Filialen reagiert. Dazu kommen aber weitere 103 Standorte, die nur noch Selbstbedienungsautomaten anbieten. Auch die zählen zu den 1944 Geschäftsstellen.

Das laufende Jahr schätzt Schneider als schwierig ein. Viele Unternehmenskunden würden seit Monaten um ihre Existenz kämpfen. „Corona ist die überragende Herausforderung“, sagte er. Trotzdem geht er davon aus, dass die Sparkassen „gut durch die Krise kommen, wenn im Sommer die Wirtschaft wieder aufgeht“.

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