Wirtschaft

Kurzer Friede

Archivartikel

Der von US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Rosengarten verkündete Waffenstillstand im Handelskonflikt entpuppt sich als kurzer Sommertraum. Pünktlich zu Beginn des Wahlkampfs zum US-Kongress schwingt der Protektionist im Weißen Haus wieder die Drohkeule mit den Autozöllen.

Einen Anlass braucht er dafür nicht. Trump tut es, weil ihm der Erfolg der europäischen Autobauer seit langem ein Dorn im Auge ist. Zudem glaubt der Präsident, Oberwasser zu haben. Die Wirtschaft in den USA ist weniger abhängig von der Autokonjunktur als die der EU. Dass es ihm nicht um „Fairness“ geht, sondern Dominanz, zeigt seine Reaktion auf den Kompromissvorschlag der EU-Kommission. Keine Zölle für niemanden im transatlantischen Fahrzeughandel entspricht eigentlich genau dem, was Trump gefordert hatte.

Aber es reicht ihm nicht, weil er schon ahnt, dass die Europäer deswegen kein einziges amerikanisches Auto mehr kaufen werden. Das gleiche Muster findet sich bei Trumps Drohungen mit einem Rückzug aus der Welthandelsorganisation gegenüber den Ländern Kanada und China wieder.

Dass sein Handelsminister Wilbur Ross den ursprünglich für August angekündigten Bericht zur Rolle der Automobilindustrie für die Nationale Sicherheit auf die Zeit nach den Wahlen verschoben hat, deutet darauf hin, dass noch Zeit für Verhandlungen bleibt. Viel Raum für Kompromisse lässt Donald Trump allerdings nicht.

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