Wirtschaft

Konjunktur Vorstandschef Rainer Neske will Landesbank Baden-Württemberg unabhängiger von Fahrzeugindustrie machen

LBBW sieht Autobranche in ernster Lage

Archivartikel

Stuttgart.Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) blickt mit Sorgen auf die Entwicklung in der Automobilindustrie. „Es gibt Firmen, die wir kritisch sehen“, sagte Vorstandschef Rainer Neske (Bild). Die Branche befinde sich durch den Umstieg auf Elektroantriebe und die Digitalisierung in einer „ernsten Situation“. Die LBBW versucht nach Neskes Angaben, bei der Kreditvergabe ihre Abhängigkeit von der Automobilindustrie zu mindern. Aber: „Wir ziehen bei keinem den Stecker.“

Neske betonte, trotz des rasanten Wandels in der Wirtschaft sei für die LBBW keine Kurskorrektur notwendig. Man habe ein überdurchschnittliches Wachstum der Kredite in der Gesundheitsbranche, bei Energie und Informationstechnologie erreicht. Der Anteil der Autoindustrie sei leicht gesunken, bleibe aber „ein großer und wichtiger Teil des Geschäftsmodells“.

Unzufrieden ist Neske mit dem technologischen Wandel in der eigenen Bank. „Unsere Prozesse in der Digitalisierung sind unzureichend besser geworden“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Als Beispiel nannte er die Eröffnung eines neuen Kontos, die zu lange dauere und zu kompliziert sei. Die Bank müsse schneller werden und benötige einen Kulturwandel, um junge Kunden zu gewinnen.

Stark gewachsen ist nach Neskes Einschätzung die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit im Bankgeschäft. Bei der Vergabe von Unternehmenskrediten sei die Nachhaltigkeit eines Geschäftsmodells ein Kriterium für die Werthaltigkeit der Firma. Immer stärker würden Kunden auch Anlagemöglichkeiten nachfragen, die bestimmte ökologische Standards erfüllen. Konkrete Einzelfälle seien aber umstritten. In Frankreich gelte zum Beispiel Atomkraft als nachhaltig, weil der CO2-Ausstoß gering sei.

Mit dem Geschäftsverlauf in 2019 zeigte sich Neske zufrieden. Für den Immobilienbereich sei es ein gutes Jahr gewesen, beim Kapitalmarktgeschäft habe man besser als im Vorjahr abgeschnitten. Auf 2020 blicke er „gar nicht so skeptisch“. (BILD: dpa)

Zum Thema